Düsseldorf - Chaos in Kaiserslautern, Torflut in Bremen und ein geglücktes Trainer-Comeback - der 13. Spieltag in der Fußball-Bundesliga war geprägt von hektischer Betriebsamkeit und großen Emotionen.
Auch beim zunächst eher langweiligen Treffen von Arminia Bielefeld und Bayern München entwickelte sich späte Dramatik. Dank des Zusammenwirkens des peruanischen Sturm-Duos Paulo Guerrero und Claudio Pizarro (82./90.+2) riss der Meister das schon verloren geglaubte Spiel noch aus dem Feuer und überraschte mit dem 2:1 selbst Felix Magath. Nach dem 0:1 habe ich nicht mehr geglaubt, dass wir den Umschwung noch schaffen, sagte der Bayern-Trainer nach dem Erfolg, den Manager Uli Hoeneß keineswegs als glücklich wertete.
Der Titelverteidiger aus München (34 Punkte), der den eigenen Bundesliga-Startrekord aus der Saison 1998/99 einstellte, verteidigte mit dem 11. Sieg im 13. Saisonspiel seine komfortable Spitzenposition vor dem famosen Verfolger Werder Bremen (29), der den VfL Wolfsburg mit 6:1 abfertigte. Werder-Coach Thomas Schaaf mochte den Dusel-Sieg der Münchner nach der eigenen Torgala nicht kommentieren. Das ist mir egal, knurrte er, wir schauen nur auf uns, und das war klasse. Die zweifachen Schützen Tim Borowski und Miroslav Klose, der die Torjägerliste mit nunmehr 14 Treffern souverän anführt, schossen sich ein für das schwere Champions-League-Spiel beim FC Barcelona.
Wie Bremer und Bayern hätten sich auch die Profis des FC Schalke 04 über drei Punkte und ein Erfolgserlebnis vor dem Auftritt in der Königsklasse am Mittwoch gegen den PSV Eindhoven gefreut. Doch der Revierclub vermochte es beim 2:2 in Köln erneut nicht, aus großer Überlegenheit Kapital zu schlagen. Köln war doch schon scheintot, ärgerte sich Trainer Ralf Rangnick über zahlreiche vergebene Chancen in Hälfte eins. Ebenso unzufrieden war FC-Kollege Uwe Rapolder, der die Leistung seiner Elf vor der Pause heftig kritisierte: Wir können uns nicht die ganze Woche über gegenseitig Mut machen und Händchen halten und uns dann vor ausverkauftem Haus so präsentieren.
Ungleich prekärer ist die Lage beim neuen Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern. Nach dem blamablen 1:3 gegen den 1. FC Nürnberg und dem 10. sieglosen Spiel in Serie musste Michael Henke den Trainer-Stuhl räumen. Auch Vorstandschef René C. Jäggi kündigte den Rückzug an, um den Weg freizumachen für eine neue Führungscrew in der Pfalz. Gleichwohl taumelt der Traditionsverein in eine unsichere Zukunft. Henke ist nach Klaus Augenthaler (Leverkusen), Wolfgang Wolf (Nürnberg) und Ewald Lienen (Hannover) der vierte Coch, der in der laufenden Saison entlassen wurde. Das ist ein tragischer Tag mit gigantischen Auswirkungen, sagte Jäggi, der nach Ansicht scharfer Kritiker wie Ex-Profi Mario Basler ein Chaos hinterlässt. Ich bin kein Sesselkleber und übernehme als Präsident die Verantwortung. Ich habe mich bis zuletzt vor den Trainer gestellt, sagte Jäggi.
Ein Trainer ging - der andere kam, sah und siegte: Hans Meyer feierte nach 543 Tagen Ruhestand beim Club mit dem 3:1 im Keller- Duell ein Bundesliga-Comeback nach Maß. Den Sieg in der Pfalz mochte Meyer aber nicht überbewerten: Man hat gemerkt, dass zwei verunsicherte Mannschaften auf dem Platz standen.
Zwei lange Bundesliga-Serien haben nach wie vor Bestand: Hertha BSC schaffte es auch nach 33 Jahren nicht, bei Borussia Dortmund einen Sieg zu landen. Stattdessen feierte die BVB-Notelf dank zweier Tore von Ebi Smolarek den umjubelten 2:0-Erfolg gegen den Tabellen- Fünften aus Berlin. Er trifft und trifft und trifft, schwärmte Sportdirektor Michael Zorc über Smolarek.
Für Borussia Mönchengladbach bleibt Bayer Leverkusen der Angstgegner. Im 19. Spiel hintereinander gelang Gladbach kein Sieg gegen den Rivalen, bei dem mehr und mehr die Arbeit des neuen Trainers Michael Skibbe fruchtet. Die taktische Ausrichtung stimmt, und es ist wieder eine positive Grundstimmung zu spüren, sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser nach dem 1:1 im Borussia-Park.
Eine Kuriosität gab dem 2:2 im Rhein-Main-Derby zwischen dem FSV Mainz 05 und Aufsteiger Eintracht Frankfurt die Würze. Nikolce Noveski unterlief das schnellste Eigentor-Doppelpack der Fußball- Bundesliga. In nur 129 Sekunden brachte der Mazedonier Mainz früh ins Hintertreffen, sorgte aber in der 70. Minute selbst für die Wende. Petr Ruman gelang in der Schlussminute noch der verdiente Ausgleich. So etwas wünsche er keinem Spieler, klagte Noveski über sein doppeltes Missgeschick: Da bricht eine Welt zusammen.
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