Berlin - Der Vereinschef bleibt noch ruhig, der Cheftrainer sieht hingegen sich und seine Mannschaft schon unter Druck: Für Aufsteiger MSV Duisburg ist die Rote Laterne in der Fußball-Bundesliga ein erstes Warnsignal.
Jetzt geht es gegen Nürnberg, das ist schon ein kleines Endspiel, sagte MSV-Trainer Norbert Meier nach dem bitteren 2:3 bei Hertha BSC mit Blick auf die folgende Heim-Partie. Der Neuling spielte in Berlin zwar munter mit, ging sogar in Führung, stand aber am Ende wieder einmal ohne Sieg da.
Wenn man die Mannschaft spielen sieht, merkt man schon, dass sie an sich glaubt. Und wir werden auch noch unsere Erfolgserlebnisse haben, da bin ich ganz sicher. Aber der erste Sieg muss jetzt auch mal folgen, betonte Meier angesichts von bisher nur zwei Punkten. Die Erkenntnis, dass wir spielerisch mithalten können, ist natürlich gut. Aber die Niederlage ist ganz bitter, kommentierte MSV-Chef Walter Hellmich die vierte Saisonpleite.
Von einem Endspiel gegen Nürnberg wollte er zwar noch nicht reden, betonte aber: Wir müssen punkten. Es gibt vier oder fünf Mannschaften, die müssen wir packen. Nach dem couragierten Auftritt vor 30 627 Fans in Berlin sieht Hellmich aber auch Chancen für die ein oder andere Überraschung: Wir werden auch den einen oder anderen Sieg gegen einen Favoriten noch einfahren. Selbst Hertha- Manager Dieter Hoeneß spendete Lob für den unglücklichen Kontrahenten: Die Duisburger haben gut gespielt, sie tun mir fast schon leid.
Erst das Last-Minute-Tor von Nando Rafael entschied die Partie. Der gebürtige Angolaner war als Jugendlicher vor dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland, in dem seine Eltern starben, nach Amsterdam geflüchtet. Im Sommer 2002 kam er von Ajax zu Hertha. Jetzt konnte ihm jeder die Erleichterung über das Ende seiner Torflaute ansehen: Ich hatte mir besonders viel vorgenommen. Der Trainer hat mir die Minuten geschenkt, und ich habe sie genutzt. Ich habe den ganzen Frust rausgelassen, erklärte der 21-jährige Angreifer nach seinem 14. Bundesliga-Treffer.
Die Karriere von Rafael war am Ende der Vorsaison ins Stocken geraten. Der junge Mann stand bei Trainer Falko Götz zwar meist in der Startelf, konnte seine Rolle offenbar im Kopf aber nicht verarbeiten. Wir hatten mehr von ihm erwartet, er hat sich zurück entwickelt, blickte Hoeneß auf die vergangenen Wochen. Eine neue Motivation setzte schließlich U 21-Trainer Dieter Eilts, der Rafael sofort zum deutschen Nachwuchs-Nationalspieler beförderte, als die Einbürgerung perfekt war. Der Stürmer wollte immer für Deutschland spielen, das hat ihm im Gegensatz zu Profis wie Lincoln (Schalke) oder Valerien Ismael (FC Bayern) den Weg zum DFB-Trikot geöffnet.
Hoeneß macht auch die Verpflichtung des serbischen Stürmers Marko Pantelic, der in seinem dritten Bundesliga-Spiel zum zweiten Mal traf, für Rafaels Erleichterung verantwortlich: Dass Pantelic sich so schnell eingebracht hat, nimmt auch den Druck von unseren anderen Stürmern. Götz lobte neben der Moral des ganzen Teams den Matchwinner: In unserer Stürmersituation ist es für jeden Balsam auf die Seele. Bei Nando hat man von der ersten Minute an gemerkt, dass er positiv auf sich aufmerksam machen will. Nun hofft Rafael in Köln wieder auf einen Platz in der Startelf.
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