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Bundesliga verliert gegen England an Boden | 2005-06-08


Hamburg - In England wird geklotzt, in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien wird bei den Gehältern der Profi-Fußballer gespart.

Während in der Primera Division die Aufwendungen stagnierten, wurden in der Bundesliga die Lohnzahlungen um zwei Prozent und in der italienischen Serie A sowie in der französischen Ligue I um jeweils vier Prozent reduziert. In der englischen Premier League, in der die Milliardäre Malcolm Glazer (Manchester United) und Roman Abramowitsch (FC Chelsea) mitbestimmen, stiegen die Gehälter von 1,134 auf 1,209 Milliarden Euro. Sie sind damit höher als die in Deutschland und Spanien zusammen. Insgesamt kassierten die Profis in den fünf europäischen Topligen 3,6 Milliarden Euro.

Eine an den wirtschaftlichen Möglichkeiten ausgerichtete Finanzpolitik kann zwar bei ausbleibendem sportlichen Erfolg zu Missmut bei den Fans führen, mittel- bis langfristig gibt es für Fußballclubs aber keine Alternative, sagte Lutz Meyer, geschäftsführender Partner der Sportbusiness Gruppe von Deloitte in Deutschland mit Blick auf das veröffentlichte Annual Review of Football Finance.

Die Fußball-Bundesliga verliert auch beim Umsatz im Vergleich zur englischen Premier League weiter an Boden. Die 20 englischen Clubs erwirtschaften im Durchschnitt 30 Millionen Euro mehr als die 18 Clubs der Bundesliga und verschaffen sich dadurch zumindest einen potenziellen Wettbewerbsvorteil auf dem Spielfeld, sagte Stefan Ludwig, der Senior-Manager von Deloitte. Eines haben die Bundesliga und die englische Elite-Liga den drei europäischen Konkurrenz-Klassen voraus: Sie arbeiten rentabel.

Zum 14. Mal untersuchte die renommierte Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte die Finanzdaten der Top-Clubs in Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien, die in der Saison 2003/04 die stolze Summe von 5,8 Milliarden Euro einnahmen. Nie zuvor war die Steigerung des Umsatzes um zwei Prozent so gering, doch selbst der schwache Anstieg ist laut Unternehmen ein Zeichen für die ungebrochene Wirtschaftskraft des Fußballs. Erstmalig wagte die Prüfungsgesellschaft sogar den Ausblick in die Zukunft: Über 5,92 Milliarden Euro in der Saison 2004/05 werde der Umsatz auf 6,37 Milliarden in der Serie 2005/06 wachsen.

Bei einem Umsatz, bereinigt um die Transfererlöse, von knapp 2 Milliarden Euro (Vorjahr 1,857) erwirtschafteten die 20 Premier-League-Clubs einen Gewinn von 223 Millionen Euro (185). Von Einnahmen in Höhe von 1,058 Milliarden Euro (1,108) blieben bei den 18 Bundesligisten noch rund 52 Millionen übrig (138). Im Vergleich zur Vorsaison verzeichneten die deutschen Clubs einen Rückgang um 86 Millionen Euro, was laut Deloitte vor allem an der Finanzkrise von Borussia Dortmund lag.

Die Teams in Italien machten bei einem Umsatz von 1,153 Milliarde Euro (1,162) ein Minus in Höhe von 341 Millionen Euro (381). Alleine seit 1995 summieren sich die jährlichen Fehlbeträge auf 1,5 Milliarden Euro. In Frankreich blieb von 655 Millionen Euro Umsatz (689) nichts übrig, stattdessen fehlten den dortigen Vereinen am Saisonende 102 Millionen Euro (61). Aus Spanien lagen keine Gewinn- und Verlust-Angaben vor, weil die Clubs nicht zur Veröffentlichung verpflichtet sind. Sehr wahrscheinlich wird jedoch auch in der südeuropäischen Spielklasse nicht kostendeckend gearbeitet.

Die Bundesliga hinkt allerdings bei den TV-Einnahmen hinterher. In der abgelaufenen Saison kassierte die 1. Liga aus der TV-Inlandsvermarktung rund 203 Millionen Euro. Zwei Drittel davon stammen aus dem Pay-TV. Der Anteil der Einnahmen aus diesem Bereich lag in Frankreich bei über 80 Prozent (gesamt: 365 Millionen Euro), in England (574 Millionen) und Italien (416 Millionen) sogar bei mehr als 90 Prozent. Dort ist aber auch die TV-Landschaft anders aufgeteilt. Bei den anstehenden Vertragsverhandlungen über die medialen Rechte gilt es, auch die Interessen der Sponsoren zu berücksichtigen und diese bedeutende Einnahmequelle der Clubs nicht zu gefährden, sagte Ludwig.


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