Hamburg - Ausgerechnet bei der schwierigen Bewährungsprobe gegen die Türkei muss Jürgen Klinsmann auf Kapitän Michael Ballack verzichten. Der Bundestrainer bangt außerdem um den am Knie verletzten Torhüter Oliver Kahn sowie den erkrankten Stürmer Miroslav Klose.
Ausgerechnet vor dem letzten Doppel-Spieltag der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor der Weltmeisterschaft gegen den WM-Dritten von 2002 in Istanbul sowie vier Tage später in Hamburg gegen China plagen Klinsmann die Sorgen über die Stammspieler.
Der Bremer liegt wie Ballack mit Grippe flach und konnte ebenfalls nicht zum Treffpunkt der DFB-Auswahl nach Hamburg anreisen. Für den zweitägigen Fitnesstest musste Klinsmann den Angreifer bereits aus der Teilnehmerliste streichen. Die Entscheidung, ob Klose mit dem noch 20-köpfigen Kader nach Istanbul fliegt, vertagte der Bundestrainer.
Die ursprüngliche Zahl von 26 WM-Kandidaten, die am Fitnesstest teilnehmen sollten, reduzierte sich im Verlauf des langen Wochenendes sogar auf 22: Neben Ballack und Klose mussten auch der Stuttgarter Andreas Hinkel (Muskelfaserriss) und der Dortmunder Christian Wörns (Darminfekt und Gallenentzündung) passen. Die Sprung- und Krafttests unter Anleitung der US-Spezialisten wurden gleich nach dem Abendessen im Team-Hotel durchgeführt. Wir erhoffen uns natürlich eine Steigerung der Werte im Vergleich zum letzten Fitnesstest vor einem halben Jahr, sagte Team-Manager Oliver Bierhoff.
Ballack hatte Klinsmann in Absprache mit Bayern- und DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zumindest für das erste Spiel eine Absage erteilt. Es macht wenig Sinn, wenn Michael die Reise in die Türkei mitmachen würde, hatte Bayern-Trainer Magath nach Ballacks Ausfall im Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg (2:0) erklärt. Man sieht es bei den Bayern, wie wichtig Ballack ist. Wir werden unseren Kapitän in Istanbul vermissen. Aber wir hoffen, dass er zum zweiten Spiel gegen China dazu kommen kann, kommentierte Bierhoff.
Klinsmann hätte Ballack eher gegen die Türken gebraucht, denn diese Partie betrachtet er als wichtige Standortbestimmung acht Monate vor dem WM-Ernstfall. Wir wollen sehen, wie sich die Spieler in einem emotionalen Auswärtsspiel wie in der Türkei verhalten. Das ist schon ein Maßstab, sagte der Bundestrainer. Für die vakante Ballack-Rolle bewarb sich umgehend der Bremer Tim Borowski. Ich hätte nichts dagegen, gegen die Türkei zu spielen.
Auch Kahn will nach seiner Rotations-Auszeit bei den letzten Länderspielen gegen die Slowakei (0:2) und Südafrika (4:2) unbedingt ins Tor zurückkehren. Der Bayern-Kapitän konnte aber gegen Wolfsburg nicht spielen, nachdem er beim Aufwärmen wieder Schmerzen im gestauchten Knie verspürt hatte. Der 36-Jährige versicherte zwar anschließend, er werde rechtzeitig zum Länderspiel wieder fit, doch Klinsmann reagierte skeptisch: Wir wissen um die Probleme von Oliver Kahn. Notfalls müsste Kahns WM-Rivale Jens Lehmann, der eigentlich nur am Fitnesstest teilnehmen sollte, doch nach Istanbul mitreisen.
Wörns dürfte die Absage für den Fitness-Test nicht sehr schwer gefallen sein, nachdem der Abwehr-Routinier extrem verärgert auf seine Nichtberücksichtigung für die Länderspiele reagiert hatte. Der 33-Jährige hatte das Leistungsprinzip in der Nationalmannschaft in Frage gestellt, weil ihm Dauer-Reservist Robert Huth und der unerfahrene Lukas Sinkiewicz vorgezogen wurden. In einem längeren Telefonat habe er den Konflikt mit Wörns ausgeräumt, berichtete Klinsmann: Es war okay, dass er seine Enttäuschung zur Geltung gebracht hat. Wir haben gesprochen, die Sache ist vom Tisch.
Der Bundestrainer will in der Problemzone Innenverteidigung andere Alternativen testen, neben Rückkehrer Robert Huth insbesondere den Dortmunder Christoph Metzelder. Der Vize-Weltmeister wurde nach zweieinhalb Jahren Abwesenheit besonders herzlich wieder im Kreise der DFB-Auswahl aufgenommen. Das ist ein toller Tag für mich. Ich bin zwar kein Nationalmannschafts-Frischling, aber eine gewisse Anspannung ist da, sagte Metzelder nach seiner Ankunft.
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