Hamburg - Franz Beckenbauers Weltreise kann schon bald um 13 Stationen erweitert werden. Mit zahlreichen Gruppen-Endspielen beginnt am 8. Oktober der Schlussspurt zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.
Organisationschef Beckenbauer will bis Mitte Februar den 31 qualifizierten WM-Gastländern persönlich die Tickets bringen. Derzeit stehen neben Gastgeber Deutschland neun Mannschaften als Teilnehmer fest.
Ob England auf Beckenbauers Reiseroute auftauchen wird, steht vor den letzten beiden Qualikations-Spieltagen noch in den Sternen. Niemand möchte ein Leben lang daran erinnert werden, eine WM-Qualifikation verhaut zu haben, meinte Verteidiger Rio Ferdinand von Manchester United vor dem Spiel der Gruppe 6 gegen Österreich.
Für England wäre es ein Desaster, sich nicht zu qualifizieren, sagte Trainer Sven-Göran Eriksson. Der Schwede steht nach der 0:1-Blamage in Nordirland unter großem Druck. Nur mit Siegen in Manchester gegen Österreich und vier Tage darauf im Endspiel gegen den Gruppenersten Polen kann sich die Mannschaft noch direkt für die WM qualifizieren und Erikssons Job retten. Ich kann den Anpfiff am Samstag gar nicht mehr erwarten, sagte Steven Gerrard vom Champions-League-Sieger FC Liverpool. Gegen Nordirland zu verlieren war der Tiefpunkt meiner Teamkarriere, und es tut noch immer weh.
Zu einem Endspiel kommt es auch in der Gruppe 4. Der Tabellenerste Schweiz empfängt in Bern den punktgleichen Verfolger Frankreich. Dabei stehen die Schweizer unter größerem Druck. Sie haben nach dem direkten Aufeinandertreffen in Irland eine schwerere Aufgabe als die Franzosen, die es zu Hause mit Zypern zu tun haben. Wir müssen von der ersten Minute an zeigen, wo es langgeht. Ein Punkt genügt nicht, wir müssen den Sieg mit allen Mitteln anstreben, sagte der Dortmunder Philipp Degen und zeigte wenig Respekt vor dem ehemaligen Welt- und Europameister.
In der Gruppe 1 reicht den Niederlanden in Prag gegen Tschechien ein Punkt, um die WM im Nachbarland zu erreichen. Es wäre ein Traum, sagte der neue HSV-Star und Spielmacher Rafael van der Vaart, der seinen Platz in der Anfangsformation von Bondscoach Marco van Basten sicher hat. Auch die Tschechen haben beste Chancen, sich nach 16 Jahren für die WM zu qualifizieren.
Mit einem Sieg gegen die Niederlande oder im darauf folgenden Spiel in Finnland kann Tschechien als einer der beiden besten Tabellenzweiten der acht Gruppen der Europa-Qualifikation den Sprung schaffen. Allerdings fehlen Trainer Karel Brückner mehr als ein halbes Dutzend Spieler, darunter der Dortmunder Jan Koller. Dafür darf van der Vaarts Vereinskollege David Jarolim auf sein Länderspiel-Debüt hoffen.
In der Gruppe 8 kämpfen ebenfalls die beiden besten Mannschaften um die Tickets: In Zagreb müssen die Kroaten gegen den Tabellenersten Schweden unbedingt gewinnen, um die direkte Qualifikation zu schaffen. Die Schweden können mit einem Sieg alles klar machen.
Für Spanien werden die letzten beiden Ausscheidungsspiele in der Gruppe 7 zu Zitterpartien. Zuletzt fehlten die Spanier bei der WM 1974 in Deutschland. Damit die Serie hält, hat Trainer Luis Aragones sechs neue Spieler in seinen Kader für die Spiele in Belgien und in San Marino geholt. Ich glaube noch immer daran, dass wir zur WM fahren, meinte Aragones. Doch müssen er und seine Mannschaft auf einen Ausrutscher von Tabellenführer Serbien-Montenegro gegen Litauen und Bosnien-Herzegowina hoffen, um die zwei Punkte Rückstand noch aufzuholen.
Italien und Portugal dürfen sich auf den Besuch von Franz Beckenbauer schon einrichten. Gegen Slowenien in Lecce und Schlusslicht Moldawien genügt der Squadra Azzurra ein Punkt, um in der Gruppe 5 Sieger zu werden. Dass Vizeeuropameister Portugal in der Gruppe 3 gegen den Fußball-Zwerg Liechtenstein und gegen Lettland noch strauchelt und den fehlenden Punkt verpasst, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Spannender ist die Frage, ob Pedro Pauleta (39 Tore) den Torerekord von Legende Eusebio (41) einstellt.
Auch auf den anderen Kontinenten stehen Entscheidungen an. In Afrika können sich Togo, Ghana und Angola erstmals für eine WM qualifizieren. Die Fußball-Mächte Senegal oder Nigeria müssen hingegen bangen. WM-Stammgast Kamerun hat ebenfalls beste Chancen. Tunesien und Marokko, beide mit WM-Erfahrung, treten in der Gruppe 5 zum Endspiel an. Dem Tabellenersten Tunesien genügt dabei ein Punkt.
In Südamerika kann Ecuador den Argentiniern und Brasilianern zur WM folgen. Dazu müssen die Ecuadorianer gegen Uruguay einen Punkt holen. Auch Paraguay hat gute Chancen, sich bei einem Sieg in Venezuela als eines der besten vier Teams das Ticket zu sichern. In der Nord-/Mittelamerika-Gruppe hat Costa Rica gegen die schon als WM- Teilnehmer feststehenden USA und in Guatemala zwei Matchbälle.
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