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DFB-Chefs rügen Liga: Gefahr für Gesamtprojekt WM | 2005-10-11


Hamburg - Die DFB-Doppelspitze hat Bundestrainer Jürgen Klinsmann weiter absolute Rückendeckung bei seinem WM-Kurs gegeben und gleichzeitig bei der Fußball-Bundesliga das sofortige Ende aller Störfeuer eingefordert.

Einen Tag vor dem Länderspiel gegen China in Hamburg warnte Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder die Profi-Clubs sogar davor, mit weiteren Attacken gegen die Arbeitsweise von Klinsmann dem Gesamtprojekt Weltmeisterschaft 2006 zu schaden. Es ist ein großer Fehler, wenn die Liga meint, dass die WM nur die Nationalmannschaft betrifft, sagte Mayer-Vorfelder. Präsidenten-Kollegen Theo Zwanziger sieht auch keinen Anlass zu Korrekturen: Jürgen Klinsmann macht seine Sache glänzend.

Jeder Trainer weiß doch, wie wichtig es ist, in Ruhe arbeiten zu können, erklärte Teammanager Oliver Bierhoff Richtung Bundesliga. Er sei über die neuerlichen Beschwerden, die vor allem Belastungen und Arbeitsmethoden im Nationalteam betreffen, überrascht. Man muss natürlich auch Bedürfnisse der Vereine berücksichtigen, immer aber darauf hinweisen, dass die Nationalmannschaft das wichtigste deutsche Gut Richtung WM ist, sagte Bierhoff.

Der Manager hat nach den Äußerungen von WM-Chef Franz Beckenbauer, (In der Liga ist ein Murren) verstärkt mit Entscheidungsträgern in den Proficlubs gesprochen. Wir sollten nicht wegen zwei, drei schlechten Spielen alles in Frage stellen, sondern alle Kräfte bündeln, verlangte Bierhoff, der bis Ende des Jahres eine Verlängerung seines Vertrages über die WM hinaus erwartet. Mit Diplomatie werde man nicht Weltmeister, sagte DFB-Chef Zwanziger, der Klinsmanns Arbeit auch wegen der Kompromisslosigkeit schätzt.

Über Themen wie den Wohnort von Klinsmann, die Torwart-Rotation oder amerikanische Fitness-Experten könne zwar diskutiert werden - aber bitte intern. Wir haben immer den Austausch gesucht. Felix Magath hat bestätigt, dass er zu keinem Bundestrainer zuvor solch intensiven Kontakt hatte, sagte Bierhoff.

Nach dem Bayern-Trainer, der mit Klinsmann noch für dieses Jahr ein weiteres Vier-Augengespräch vereinbart hat, bemühten sich auch andere Liga-Vertreter um eine Entschärfung der Diskussionen, auch wenn der Grundkonflikt bleibt. Wir haben immer offene Ohren. Aber letztlich entscheiden wir, ob jemand spielt oder nicht, welche Belastung jemand aushalten kann oder nicht. Unsere Ansprüche sind höher als in der Bundesliga, betonte Klinsmann. Wenn man nur Rücksicht nimmt, hätte man keine Mannschaft mehr, ergänzte Bierhoff und wies darauf hin, dass es Zugeständnisse an die Liga bereits gegeben hat. So wurde die für den Jahreswechsel vorgesehene Südamerika-Tour abgesagt.

Man darf jetzt nicht, weil ein Ergebnis nicht passt, alles gleich kaputt schlagen und jetzt wieder raus kommen und böse Kritik üben, sondern wir sind alle gefordert, sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf. Und Bremens Manager Klaus Allofs wies auf die jüngste Zusammenkunft der Bundesliga-Trainer mit Klinsmann vor einem Monat hin. Wenn die auf so einer Sitzung nichts monieren, ist das für mich Zustimmung. Dann sollten sie öffentlich den Mund halten, sagte Allofs in der Süddeutschen Zeitung. Zuvor hatten gerade die Bremer noch Irritationen über die Belastung bei Klinsmann geäußert.

Bierhoff sieht trotz der Unstimmigkeiten zwischen Proficlubs und Nationalteam keinen Grund dafür, die aufgelöste Task Force aus den Zeiten von Rudi Völler zu aktivieren. Es ist gewährleistet, dass wir auch weiter eine gewisse Nähe haben, meinte der Teammanager mit Hinweis auf ein aktuelles Telefonat mit Karl-Heinz Rummenigge, der einst den Bundesliga-Arbeitskreis Nationalmannschaft angeführt hatte. Auch der Vorstandschef des FC Bayern warb in der Münchner tz um echte Hilfe für den Bundestrainer. Wir sollten diesem Guru-Verhalten ein Ende setzen und uns in Zurückhaltung üben. Die beste Unterstützung für Klinsmann ist, wenn man ihn in Ruhe arbeiten lässt.

Bayern-Manager Uli Hoeneß sieht trotz neuerlicher Kritik an der Torwart-Rotation (Ein Torwart von der Klasse wie Oliver Kahn muss Ruhe haben, muss wissen, dass er die Nummer eins ist) gute Chancen, dass die Nationalelf die vielen Probleme Richtung WM 2006 lösen kann. Das kann man zusammen mit den Bundesliga-Vereinen schaffen, sagte Hoeneß und begrüßte den angestrebten Gipfel zwischen Klinsmann und den Liga-Managern.


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