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Bundesliga in Sorge um erfolgreiche WM | 2005-10-14


München - Während sich Jürgen Klinsmann in seiner Wahl-Heimat Kalifornien vom Länderspiel-Stress erholt, bringen sich in Deutschland seine Kritiker weiter in Stellung.

Nach dem geplatzten kurzfristigen Gipfeltreffen des Bundestrainers mit den Managern der Bundesligaclubs schlugen die Proficlubs zwei Tage nach dem mühevollen 1:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen China Alarm. Die WM ist zum Glück erst im Sommer. Aber natürlich haben wir derzeit alle ein bisschen Sorge, sagte Hertha-Manager Dieter Hoeneß in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ). Ins Zentrum der Kritik gerät dabei immer mehr Klinsmanns US-Wohnsitz.

Der akute Gesprächsbedarf zwischen den Proficlubs und Klinsmann soll unbedingt beim nächsten Deutschland-Aufenthalt des 41-Jährigen Ende Oktober nachgeholt werden. Wir bemühen uns, dass wir in zehn Tagen, wenn Jürgen Klinsmann wieder in Deutschland ist, ein Treffen hinbekommen, bestätigte Liga-Chef Werner Hackmann. Der Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) hatte sich vergeblich um ein Blitz-Treffen noch am Rande des Länderspiels gegen China bemüht. Am Mittwoch klappte es bei einigen Managern nicht, und auch am Donnerstag ging es terminlich nicht, berichtete Hackmann.

Klinsmann flog bereits am Donnerstagmorgen zurück in die USA. Der Bundestrainer wollte seine Reisepläne auch nicht ändern, um in der momentan kritischen Situation beim Bundesliga-Gipfel zwischen Schalke 04 und Bayern München vor Ort zu sein, wo er neben der Beobachtung mehrerer Nationalspieler auch im Gespräch mit den Club-Managern Rudi Assauer und Uli Hoeneß sowie den Trainern Ralf Rangnick und Felix Magath einige Wogen hätte glätten können.

Man kann sich fragen, warum er nicht erst am Sonntag nach dem Spiel zurückfliegt, monierte Schalke-Coach Rangnick in der Münchner Abendzeitung. Klinsmann schickt seinen Assistenten Joachim Löw nach Gelsenkirchen. Das konsequente Festhalten an seinen Zeit- und Reiseplänen hat ihn jedenfalls in der sehr emotional geführten Debatte um seinen Hauptwohnsitz USA (Die Arbeit ist für mich ideal in dieser Form) in der aktuellen Situation besonders angreifbar gemacht. Für mich ist es eine absolute Selbstverständlichkeit, dass man selber Opfer bringt, wenn man doch ständig von allen anderen Opfer verlangt: von den Spielern, den Clubs. Es geht doch darum, dass der Bundestrainer in Deutschland präsent ist, dass er aktuell auf Entwicklungen reagieren kann, monierte Dieter Hoeneß in der SZ.

Der Hertha-Manager, der am Rande des verlorenen Türkei-Spiels am vergangenen Samstag in Istanbul in der offiziellen Funktion als Vertreter der Proficlubs ein intensives Gespräch mit Klinsmann geführt hatte, benannte neben der Wohnsitz-Diskussion drei weitere unnötige Reibungspunkte: Die Fitness-Debatte, einen fehlenden Kern von Stammspielern sowie die überflüssige Diskussion um die Nummer eins. Wegen der Torwart-Rotation fehlt Oliver Kahn beim nächsten Länderspiel am 12. November gegen Frankreich nicht nur als Spieler, sondern auch als wenigstens anwesende Führungsfigur. In Paris wird wieder Jens Lehmann dabei sein und im Tor stehen.

Klinsmann zeigt sich zwar stets gesprächsbereit, aber in grundsätzlichen Fragen über seine Arbeitsweise auch kompromisslos. Ich habe keine Lust, es allen Recht zu machen: Ich werde jetzt kein Tagebuch vorlegen, betonte er in Hamburg fast schon trotzig. Lob für diese Geradlinigkeit zollte ihm Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack, der im DSF sagte: Jürgen Klinsmann zieht sein Ding durch. Das, was er vertritt, wofür er steht, auch jetzt, wenn es mal nicht so gut läuft. Das finde ich eigentlich toll, dass er sich da nicht verbiegen lässt.

Dieter Hoeneß hofft dagegen, dass der Bundestrainer die Tage in Kalifornien dazu nutzen werde, sich über einige Dinge klar zu werden. Eine gut gemeinte, aber deutliche Warnung übermittelte der Klinsmann durchaus zugeneigte Hertha-Manager aber auch nach Los Angeles. Die Hilfsangebote für sein ambitioniertes WM-Projekt hätten ihm Leute gemacht, die zusammen auf 150 Jahre Bundesliga-Erfahrung in Top-Vereinen kämen. Dass Jürgen weiter zögert, diese geballte Erfahrung in seine Arbeit einzubringen - das halte ich für ungeschickt.


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