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Tormaschine Werder stürmt die Spitze | 2005-10-16


Bremen - Sechs Mal schrie das Bremer Publikum auf und feierte das halbe Dutzend Tore seiner Lieblinge. Doch am ausgelassensten und lautesten war der Jubel im Weserstadion erst einige Minuten nach Spielschluss, als klar war, dass es zum Platz an der Sonne reichte.

Als der Stadionsprecher den späten Ausgleich der Schalker gegen Bayern München veröffentlichte, gab es kein Halten mehr. Die Werder-Fans rissen die Fäuste hoch, fielen sich in die Arme und feierten enthusiastisch die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga - fast so wild wie vor anderthalb Jahren den Meistertitel.

Mit geballter Offensivkraft hat sich Werder Bremen an die Spitze geschossen. Die Tormaschine der Liga überrollte den 1. FC Nürnberg mit 6:2 (3:1) und nutzte die Patzer des FC Bayern München und des Hamburger SV zum Sturm auf Platz eins. Es sind Ergebnisse dabei, mit denen wir nicht unzufrieden sind, kommentierte Werder-Trainer Thomas Schaaf gewohnt trocken und fügte in Anspielung auf die Tabelle an: Wir packen uns das Papier ein, freuen uns - und dann geht es weiter.

Der Coach warnte aus gutem Grund vor Euphorie, denn ihm waren die Probleme seines Teams in der Defensive nicht entgangen: Es klingt blöd bei einem 6:2, aber wir waren nicht so gut. Miroslav Klose (2./34./39.), Ivan Klasnic (65./85.) und Tim Borowski (80.) erhöhten die Zahl der Saisontreffer zwar auf 27, doch es hätten auch mehr als die zwei Gegentore von Stefan Kießling (16.) und Markus Schroth (57.) sein können.

Unwidersprochen konnte Schaafs Kollege Wolfgang Wolf kommentieren: Das war ein komisches Spiel. Wir hatten sogar die Chance zum 3:3. Allzu sorglos agierten die Bremer in vielen Szenen, und die Abwehr wackelte wieder einmal bedenklich. Auf der linken Seite, wo Christian Schulz erneut wenig souverän wirkte, waren die Bremer genauso anfällig wie auf der rechten mit Patrick Owomoyela.

Gefeierter Held des Spiels war Miroslav Klose. Mit stehenden Ovationen verabschiedete das Bremer Publikum den Stürmer bei der frühen Auswechslung. Nachdem er bei den Länderspielen wegen einer Grippe pausiert hatte, drehte er mächtig auf und wirbelte die Nürnberger Abwehr heftig durcheinander. Der 27 Jahre alte Stürmer war von der Innenverteidigung des Club nicht zu stoppen und schoss seine Saisontore Nummer acht, neun und zehn.

Drei Tage zuvor hatte er Bundestrainer Jürgen Klinsmann um eine Verlängerung der Auszeit gebeten. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht 90 Minuten brummen kann, erklärte er rückblickend. Ich brauch meine Kraft. Wenn ich nicht 90 Minuten rennen und kämpfen kann, dann bin ich nicht der wahre Miro. Gegen Nürnberg war er es 66 Minuten - aber das reichte.

Gemeinsam mit seinem Partner Klasnic hat Klose als K&K-Sturm nunmehr genau zwei Drittel der Bremer Bundesliga-Tore erzielt. Das ist das beste Sturmpaar der Liga, sagte der bemitleidenswerte Nürnberger Torwart Raphael Schäfer: Die haben uns gezeigt, warum das so ist.

Die Nürnberger rutschten wieder auf einen Abstiegsrang. Mit meiner jungen Abwehr hatten wir gegen diesen Sturm keine Chance, fasste Wolf zusammen, versuchte aber auch positive Aspekte wie die vielen herausgespielten Chancen zu betonen: Das 6:2 spiegelt unsere Leistung nicht wieder.


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