Stuttgart - Die Führungskräfte des kriselnden Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart setzen Trainer Giovanni Trapattoni unter Druck.
Wir brauchen den Erfolg nicht erst irgendwann in ferner Zukunft. Wir müssen kurzfristiger denken, die nächsten Wochen haben entscheidende Bedeutung für uns, sagte Präsident Erwin Staudt in Zeitungsberichten nach einem Krisengespräch mit dem Italiener sowie Sportdirektor Herbert Briem. Der Vereinschef reagierte damit auf die Ankündigung Trapattonis, dass man zwei, drei Jahre benötige, um wieder eine starke Mannschaft aufzubauen.
Im ersten UEFA-Cup-Gruppenspiel am 20. Oktober beim französischen Club Stade Rennes und in der Bundesliga-Partie drei Tage darauf bei Bayer Leverkusen ist Trapattoni zum Erfolg verdammt. Staudt verweist zwar auf laufende Verträge (Die werden erfüllt), doch der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Hundt hatte schon vor Wochen darauf hingewiesen, dass Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist.
Nachdem der VfB bereits im Sommer Matthias Sammer, der einen Vertrag bis 2007 hatte, entlassen hatte, würde ihn eine Trennung von Trapattoni nicht so teuer zu stehen kommen: Für den 66-Jährigen würden als Abfindung nur drei Monatsgehälter fällig werden. Trap hat allerdings auch einen teuren Betreuerstab - unter anderem mit Ex-Weltmeister Andreas Brehme - mitgebracht.
Nach dem miserablen Auftritt beim 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach ist die Stimmung bei den Schwaben auf dem Tiefpunkt. Diesen Fußball kann Stuttgart nicht ertragen, schreiben die Stuttgarter Nachrichten. Die Stuttgarter Zeitung sieht den VfB vor einem Scherbenhaufen. Entlarvend auch eine Aussage von Nationalspieler Thomas Hitzlsperger: Wir haben so viele Probleme. Ich kann gar nicht sagen, was unser größtes Problem ist.
Staudts Coup, den erfolgreichsten Vereinstrainer zu holen, hat sich als Flop erwiesen - wenn Trapattoni nicht noch ein Wunder gelingt. Jeder weiß, dass wir einen Punkt erreicht haben, an dem wir die Entwicklung umkehren müssen. Die Schmerzgrenze ist erreicht, meinte selbst der VfB-Präsident. Die Schlüsse aus der Misere müssten schnell gezogen werden, den wir haben nicht viel Zeit. Jetzt liegen sehr dichte Wochen vor uns. Für uns geht es um sehr viel.
Der Kritik an Maestro Rotaziones Wechselspielen können sich selbst die Vereinsverantwortlichen nicht mehr entziehen, auch wenn die Taktik Trainersache ist. Wir müssen uns Gedanken machen, ob wir ein bisschen weniger rotieren, sagte Sportdirektor Briem im SWR-Fernsehen. Die Mannschaft sei fit, widersprach Briem Kritikern, der Kopf ist das größere Problem. Man müsse aber eine Lösung finden, wie wir Druck im Mittelfeld aufbauen. Mit solch elementaren Problemen schlägt sich der VfB seit Trapattonis Amtsantritt herum. Staudt nimmt zwar auch die Spieler in die Pflicht, doch klar ist: Der Trainer muss dafür sorgen, dass der Laden läuft.
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