München - In Champions League und Bundesliga laufen für den FC Bayern München die Wochen der Wahrheit, hinter den Kulissen muss Manager Uli Hoeneß aber dringend die Weichen für die kommenden Jahre stellen.
Noch wird beim deutschen Rekordmeister alles vom weiter ungeklärten Vertragspoker mit Superstar Michael Ballack überschattet. Ist die wichtigste Personalie endlich geklärt, geht der heiße Herbst für Hoeneß erst so richtig los. Gleich zehn weitere Verträge laufen im Sommer 2006 aus - besondere Brisanz versprechen dabei die Verhandlungen mit den deutschen Nationalspielern Oliver Kahn und Sebastian Deisler.
Zuvor muss aber die Personalie Ballack vom Tisch, und die Zeichen sprechen für eine baldige Entscheidung. Einen Tag nach dem Champions-League-Spiel gegen Juventus Turin trifft sich Ballack mit der Bayern-Spitze. Unser Angebot ist auf dem Tisch, die Argumente sind ausgetauscht. Er muss nur noch sagen: Ja oder Nein, sagte Hoeneß zum aus seiner Sicht seit Juli unveränderten Verhandlungsstand.
Ob er das angeblich auf bis zu zehn Millionen Euro pro Jahr taxierte Angebot bis 2010 annehmen wird, konnte Ballack aber bisher erfolgreich verheimlichen. In näherer Zukunft werde er sich mitteilen, lautete die letzte Äußerung des 29-Jährigen, der die kolportierten Angebote von Manchester United und Real Madrid trefflich für sich nutzt.
Schon lange vor den ersten für die Winterpause terminierten Gesprächen verkündete Torwart Kahn, dass er bei einem neuen Kontrakt für sich - im Gegensatz zu vielen Kollegen - keine Gehaltsreduzierung erwarte. Gute Leistungen sind doch immer gut bezahlt worden, sagte Kahn. Sollte Hoeneß also bei seiner neuen rigorosen Sparpolitik - die Verteidiger Robert Kovac zum Abschied bewegte - nach Ballack keine zweite Ausnahme machen und von Kahn einen Tribut zum Abbau der hohen Personalkosten verlangen, steht dem FC Bayern ein Konflikt oder zumindest ein weiterer zäher Poker ins Haus.
Wesentlich schlechter als für Kahn ist die Ausgangslage für Deisler. Von seinem millionenschweren Traumvertrag aus dem Jahr 2002 muss er nach Verletzungen und Krankheit sicher große finanzielle Abstriche machen. Wenn er überhaupt in München bleibt. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge eröffnete kürzlich den Poker und deutete an, dass eine Verlängerung nur Sinn mache, wenn er sich hier auch sportlich durchsetzt.
Einzig vorzeitig geklärte Personalie ist die Verlängerung mit Englands Nationalspieler Owen Hargreaves bis 2010. Das Trio Jens Jeremies, Bixente Lizarazu und Bernd Dreher wird sich wohl in den Ruhestand verabschieden. Gute Chancen auf Anschlussverträge haben Ali Karimi und selbst Routinier Mehmet Scholl. Völlig offen ist die Zukunft von Zé Roberto und Roque Santa Cruz. Geradezu grotesk ist die Situation bei Willy Sagnol. Der Franzose saß schon im Büro von Hoeneß, um seinen Abschied zu verkünden, wurde vom Manager aber offenbar zum erneuten Nachdenken überredet und dafür mit einer Bedenkzeit bis Weihnachten belohnt. Unser Angebot gilt. Die Tür ist offen, sagte Hoeneß.
Sind die elf offenen Personalien geklärt, kehrt für Hoeneß aber noch lange keine Ruhe ein. 2007 laufen schon wieder acht Verträge aus, darunter die der Leistungsträger Lucio und Roy Makaay. Davor muss Hoeneß aber noch eine andere Personalie klären. Sein eigener Vertrag als Bayern-Manager endet am 31. Dezember 2006.
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