München - Rekord-Etats, reichlich Prominenz auf der Trainerbank, jede Menge Kult und eine Schiedsrichterin - das Fußball- Unterhaus freut sich auf eine Saison der Superlative.
Das ist die stärkste Zweite Liga aller Zeiten, schwärmt Trainer Rainer Hörgl vom FC Augsburg vor dem Start in die 34. Spielzeit der 2. Bundesliga, die mit immer mehr Professionalismus und großem Selbstbewusstsein aus dem Schatten der Ersten Liga treten will. Die Attraktivität ist so groß wie nie, setzt Augsburgs Manager Andreas Rettig auf einen erstklassigen Zweitliga-Rahmen: Fünf ehemalige deutsche Meister und neun Ex-Bundesligisten kämpfen in drei Weltmeisterschaftsstadien um die begehrten drei Aufstiegsplätze.
Die Augsburger, die mit dem Derby-Klassiker gegen den TSV 1860 München in die Saison starten, gehen als Geheimfavorit ins Rennen. Die heißesten Aufstiegskandidaten sind allerdings die Absteiger Borussia Mönchengladbach, zum Abschluss des 1. Spieltags beim 1. FC Kaiserslautern zu Gast, und der FSV Mainz 05 sowie der 1. FC Köln. Insgesamt 98 Millionen Euro lassen sich die drei Topfavoriten den Aufstiegskampf kosten, doch für sie wird die Rückkehr in die Beletage des deutschen Fußballs kein Selbstläufer.
Wie in der Vorsaison, als vier Tage vor Saisonende noch die halbe Liga Aufstiegschancen besaß, ist erneut ein spannendes Rennen zu erwarten. Es wird ein brutaler Existenzkampf, glaubt Fürths neuer Trainer Bruno Labbadia, neben Kjetil Rekdal (Kaiserslautern) und Robin Dutt (Freiburg) einer der Neuen auf der Trainerbank. Erstliga- Erfahrung sammelten bereits Ralf Rangnick, der mit 1899 Hoffenheim den Aufstieg schaffte, Frank Neubarth (Jena) und Uwe Rapolder (Koblenz), der sich mit Mario Basler einen prominenten Assistenten in den Betreuerstab holte. Bekanntester Neuzugang der Liga ist Guido Buchwald. Als Trainer am Tivoli soll der Weltmeister von 1990 mit Alemannia Aachen den sofortigen Wiederaufstieg schaffen.
Mit 15 Millionen Euro steht Aachen auf Platz vier der Etat-Rangliste in Liga zwei. Mit insgesamt 230 Millionen Euro planen die 18 Clubs - in der Erwartung eines Rekordansturms von mehr als fünf Millionen Zuschauern. Auch das Fernsehgeld sorgt für großzügige Haushalte: Mit bis zu 7,2 Millionen Euro kann ein Bundesliga-Absteiger im Unterhaus rechnen. Zudem hat sich die 2. Liga im wichtigsten Gremium des Profifußballs mehr Gewicht verschafft: Mit Harald Strutz (Mainz), Michael Meier (Köln) und Rettig vertreten drei Zweitligisten im Vorstand der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ihre Interessen.
An erstklassiger Unterhaltung wird es nicht mangeln. Der Kult-Club FC St. Pauli, neben Hoffenheim, dem VfL Osnabrück und dem SV Wehen-Wiesbaden Aufsteiger und am Freitag Gastgeber des 1. FC Köln, dürfte nach dem Pokal-Coup gegen Bayer Leverkusen für weitere Überraschungen gut sein. Bei den Münchner Löwen wird der Machtkampf an der Vereinsspitze dauerhaften Zündstoff liefern und in den Karnevalshochburgen Köln und Mainz werden Christoph Daum und Jürgen Klopp ihre Sprüche klopfen. Ganz vorne im Rampenlicht wird aber Bibiana Steinhaus stehen, die sich als erste Unparteiische im deutschen Lizenzfußball zu bewähren hat.
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