Stuttgart/Rennes - Der in der Fußball-Bundesliga kriselnde VfB Stuttgart will ausgerechnet auf der internationalen Bühne die Wende schaffen und Trainer Giovanni Trapattoni eine weitere Schonfrist verschaffen.
Wir brauchen einen Befreiungsschlag, sagte Sportdirektor Herbert Briem vor dem ersten UEFA-Cup-Gruppenspiel der Schwaben bei Stade Rennes. Gegen den französischen Tabellen-13. soll es endlich vorwärts gehen.
Mit einem flammenden Appell an die Spieler und den Trainerstab hatte Präsident Erwin Staudt versucht, aufzurütteln. In Einzelgesprächen mit Führungsspielern betrieb er zudem Ursachenforschung. Die Jungs lesen ja alle Zeitung. Das, was wir in den letzten Tagen besprochen haben, können sie nun schwarz auf weiß nachlesen. Da bleibt nichts offen, sagte Staudt und forderte bei der Ankunft in Rennes: Wir wollen einen selbstbewussten VfB sehen, der seine Chance sucht und nicht nur auf Fehler wartet.
Für die Mannschaft gab es jedoch erst einmal eine kalte Dusche, als sie bei Platzregen von der Maschine ins Flughafengebäude laufen musste und teilweise klatschnass wurde. Ich bin sicher, dass die Spieler eine Reaktion zeigen, sagte Trapattoni zu Staudts Kritik. Rennes ist ein guter Test für uns, denn das ist eine schnelle Mannschaft. Sie werden zu Hause nach vorne spielen, da werden wir uns etwas leichter tun als zuletzt. Der 66-jährige Italiener steht mehr denn je unter Druck, doch Trapattoni versucht gelassen zu bleiben: Es ist völlig normal, dass der Trainer in der Öffentlichkeit angegriffen wird. Er habe nur etwas Angst, dass die Spieler unter dem Druck leiden.
Gegen die Mannschaft des rumänischen Trainers Laszlo Boloni kann Trapattoni auf den in der Bundesliga gesperrten dänischen Torjäger Jon Dahl Tomasson zurückgreifen. Hingegen fehlt im defensiven Mittelfeld der erkrankte Silvio Meißner. Angeschlagen ist Danijel Ljuboja (Knöchelverletzung), sein Angriffskollege Marco Streller (Schienbeinprellung) musste ebenfalls zu Hause bleiben. Stades Rennes muss sogar auf fünf Stammspieler verzichten und stapelt dem entsprechend tief. Im UEFA-Cup sind wir hinter dem VfB und Donezk nur Außenseiter, sagt Trainer Boloni.
Zwischen Tomasson und Rennes Stürmer Alexander Frei kommt es zu einem interessanten Vergleich: Alexander Frei stand auf unserer Einkaufsliste. Aber wir haben uns vor dieser Saison für Tomasson entschieden, sagte VfB-Sportdirektor Herbert Briem. Der Schweizer Nationalstürmer war in der vergangenen Saison französischer Torschützenkönig, hat aber in dieser Runde erst ein Mal getroffen.
Nach den Partien in Rennes, gegen Schachtjor Donezk (3. November), bei PAOK Saloniki (24. November) und gegen Rapid Bukarest (14. Dezember) müssen die Stuttgarter unter den ersten Drei sein, um ins Achtelfinale einzuziehen. Das Geldverdienen fängt erst dann richtig an, denn aus den Gruppenspielen kalkuliert VfB-Finanzchef Ulrich Ruf nur etwa Einnahmen in Höhe von einer Million Euro.
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