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Hoeneß will nicht Klinsmanns Aufpasser spielen | 2005-10-26


München - Bayern-Manager Uli Hoeneß will als Sprecher des neu belebten Bundesliga-Arbeitskreises Nationalmannschaft nicht den Aufpasser von Jürgen Klinsmann spielen, sondern den Bundestrainer bei seinem ambitionierten WM-Projekt unterstützen.

Ich bin auf keinen Fall ein Kontrolleur oder Aufpasser. Ich will für die Führung der Nationalmannschaft ein Gesprächspartner sein, sagte Hoeneß in einem dpa-Gespräch. Einen Tag nach dem Krisengipfel um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Frankfurt gab es zudem erstmals klare Signale von Klinsmann, dass er bei einem positiven Verlauf der WM über 2006 hinaus Bundestrainer bleiben könnte.

Nach einem Treffen der DFB-Spitze mit der Nationalteam-Führung um Chefcoach Klinsmann und Team-Manager Oliver Bierhoff bestätigte der geschäftsführende Verbandspräsident Theo Zwanziger dieses Signal. Wir sind uns einig, Dinge gemeinsam zu planen, sagte Zwanziger. Nach dpa-Informationen betrachtet Klinsmann seine Arbeit nicht mehr nur als reines WM-Projekt. Eine weitere Zusammenarbeit zumindest bis zur Europameisterschaft 2008 ist denkbarer geworden, auch wenn erst nach der Weltmeisterschaft konkret entschieden wird. Ausdruck für die positive Bewertung des Neubeginns unter Klinsmanns dürfte die sich immer deutlicher abzeichnende vorzeitige Verlängerung des Vertrages mit Team-Manager Oliver Bierhoff über die WM hinaus sein. Wir sind auf einem guten Weg, sagte Zwanziger zu dieser Personalie.

Klinsmanns Zukunft hängt weiterhin maßgeblich vom WM-Abschneiden ab, für das er die Messlatte mit dem Ziel Titelgewinn selbst sehr hoch gelegt hat. Immerhin konnte er nach der Aussprache mit den mächtigsten Bundesliga-Machern beruhigt nach Moldawien fliegen, wo er einen Termin für sein Kinderhilfs-Projekt Agapedia wahrnahm. Die Reaktionen auf den Frankfurter Gipfel wollte er nicht kommentieren. Es ist alles intern gesagt, bemerkte Klinsmann.

Abzuwarten bleibt, wie der Bundestrainer und die Task Force, der neben Hoeneß und Liga-Präsident Werner Hackmann noch die Manager Rudi Assauer (Schalke), Klaus Allofs (Werder Bremen), Dieter Hoeneß (Hertha), Herbert Briem (VfB Stuttgart) und Michael Zorc (Borussia Dortmund) angehören, ihre Zusammenarbeit gestalten werden. Das Gremium sei kein Druckmittel gegenüber Klinsmann, sondern ein Hilfsangebot der Liga, sagte Hoeneß: Man hat ein Instrument, wenn man es nutzen will. Die Initiative dazu müsse von der Nationalmannschafts-Seite kommen, betonte der Bayern-Manager: Ich bin erst dann im Spiel, wenn Jürgen Klinsmann und Oliver Bierhoff das Gefühl haben, mit mir sprechen zu wollen. Klinsmann selbst begrüßt die Einführung von Ansprechpartnern, die die Meinung der gesamten Liga vertreten.

Miteinander zu reden statt via Medien übereinander herzufallen, war aus Sicht von Hoeneß das wichtigste Ergebnis des Frankfurter Treffens. Solange man miteinander redet, führt man keine Kriege. Totale Übereinstimmung in Contra-Positionen wie Klinsmanns Wohnsitz in den USA oder der nicht nur bei Bayern München umstrittenen Torwart-Rotation habe er nicht erwartet. Es ging nicht darum, dass der Jürgen dieses oder jenes zusagt. Das war nicht Sinn der Sache, sagte Hoeneß.

So musste Klinsmann der Liga nur kleine Zugeständnisse machen. Er werde künftig bei Bedarf häufiger in Deutschland sein. Und auch den Ratschlag, die Rotation zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann früher zu beenden, will er überdenken. Die Liga-Forderung, möglichst bald ein Mannschafts-Gerüst für die WM zu formen, will der Bundestrainer sogar schon beim letzten Länderspiel des Jahres am 12. November in Paris gegen Frankreich in Angriff nehmen. Wir wollen jetzt auch wissen, wer wird die Achse bei der WM bilden, sagte Klinsmann.

Nach der Aussprache zwischen Klinsmann und der Liga sehen beide Seiten ohnehin nun die Nationalspieler am Zug. Nach den zuletzt schwachen Leistungen gegen die Türkei (1:2) und China (1:0) sollen sie mit einem guten Spiel gegen Frankreich dafür sorgen, dass die Gastgeber-Nation wieder mit größerem Optimismus ins WM-Jahr gehen kann. Wir wissen alle, welches Wohl und Wehe von der WM für den deutschen Fußball abhängt. Wir brauchen wieder die Euphorie vom Confed-Cup, sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge: Ich hoffe, dass die Nationalspieler unser positives Signal aufnehmen und schon in Frankreich zeigen, was es bedeutet, ein Nationalspieler zu sein.


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