Frankfurt/Main/Gelsenkirchen - Nach dem 0:6-Debakel von Schalke 04 im DFB-Pokal bei Eintracht Frankfurt strich Ralf Rangnick seinen Profis kurzerhand den freien Tag und bestellte die Mannschaft am Vormittag nach dem Spiel zum Rapport.
In einer 30-minütigen Ansprache redete der Trainer des deutschen Vizemeisters Tacheles und arbeitete die klägliche Vorstellung vom Vorabend auf. Wir konnten das nicht auf sich beruhen lassen und einfach zur Tagesordnung übergehen. Wie wir in der letzten halben Stunde aufgetreten sind, geht nicht. Da haben wir gespielt wie kleine Kinder, rügte der Schalker Trainer sein Team.
In den 90 denkwürdigen Minuten wurde der Champions-League-Teilnehmer vom Bundesliga-Aufsteiger erst demontiert und dann gedemütigt. Wir haben uns zum Schluss regelrecht abschlachten lassen. Das ist der größte Vorwurf, den wir der Mannschaft machen. Solch eine Vorstellung darf es nie wieder geben, darüber müssen sich alle Spieler im Klaren sein, sagte Team-Manager Andreas Müller.
Trainer und Management nahmen die Profis daher in die Pflicht. Wir haben uns fast lächerlich gemacht. Ich erwarte eine Reaktion von der Mannschaft. Sie muss sich an der eigenen Nase packen und in den nächsten Spielen anders auftreten, forderte Müller. Vorwürfe an Rangnick gab es dagegen keine. Dem Trainer ist nichts vorzuwerfen. Eine Diskussion um seine Position los zu brechen, wäre absoluter Schwachsinn. Wir sind doch nicht bekloppt und stellen ihn nach einem Spiel in Frage, sagte Manager Rudi Assauer.
Eine halbe Stunde lang hatte der Vorjahresfinalist geglaubt, die Partie im Griff zu haben. Dies erwies sich nach den Toren von Alexander Meier (28.) und Benjamin Huggel (30.) jedoch schnell als Trugschluss. Die kopflos anrennenden Gäste wurden in der 2. Halbzeit von den defensiv sehr gut organisierten Hausherren eiskalt ausgekontert und fielen am Ende völlig auseinander. Christoph Spycher (64.), erneut Meier (68.), der überragende Francisco Copado (79.) und Patrick Ochs (85.) erhöhten vor 33 150 Zuschauern fast mühelos.
Wir waren so harmlos wie eine Kobra im Kühlschrank. Es war wie beim Scheibenschießen, da kommt man sich verarscht vor. Einer internationalen Spitzenmannschaft passiert so etwas nicht, kritisierte Torhüter Frank Rost seine Vorderleute und forderte: Wir müssen uns schnell wieder finden, sonst wird es ganz schwer.
Auch Hamit Altintop, dem als einem der wenigen zumindest das Bemühen anzumerken war, ging mit seinen Kollegen hart ins Gericht. Wir hatten einige Totalausfälle. Für diese Leistung gibt es keine Entschuldigung, sagte der türkische Nationalspieler.
Exemplarisch für das Auftreten der konfusen Gäste war der verschossene Foulelfmeter von Gustavo Varela (72.), der sich zuvor mit Altintop eine Diskussion über die Ausführung geliefert hatte. Das hat mit Professionalität nichts zu tun. Die streiten sich wie kleine Kinder, um vielleicht in der Torschützenliste zu stehen. Dabei hatten beide da nichts zu suchen, denn Sören Larsen ist unser etatmäßiger Schütze, wetterte Rangnick.
Sein Kollege Friedhelm Funkel schwelgte dagegen in höchsten Tönen. Für die Leistung meiner Mannschaft fehlen mir fast die Worte. Das war noch einen Tick besser als beim 6:3 gegen Köln. Der Sieg war hochverdient, lobte der Frankfurter Coach. Die Gala-Vorstellung begeisterte auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der eigentlich die Schalker Nationalspieler Kevin Kuranyi und Fabian Ernst beobachten wollte. Die Eintracht hat etwas Erfrischendes, sagte Klinsmann.
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