Nach dem 4:2-Erfolg gegen Südafrika äußerte sich Bundestrainer Jürgen Klinsmann in Bremen in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur .
Frage: Eine Torgala wie zuletzt beim Confederations Cup. War das die nötige Antwort auf die 0:2-Schlappe in der Slowakei?
Jürgen Klinsmann: Wir sind natürlich sehr zufrieden mit der Leistung der Mannschaft. Es war eine Reaktion nach dem Ausrutscher in der Slowakei, nach dem Dämpfer. Es hat einfach Spaß gemacht zu sehen, mit welchem Engagement sie versucht haben, noch mehr Torchancen herauszuspielen. Es hätten vielleicht noch ein oder zwei Tore mehr hinzukommen können. Es macht Spaß, dieser Mannschaft zuzuschauen.
Frage: Zuletzt gab es viel Kritik. Wie sehen Sie den Stand der Mannschaft neun Monate vor der WM?
Klinsmann: Wenn wir zurückblicken in den August letzten Jahres und jeden einzelnen Spieler durchgehen, sind bei fast allen wesentliche Fortschritte zu erkennen. Da wächst eine Mannschaft heran mit vielen jungen Spielern, und die wird noch besser. Die wird auch noch manchen Rückschlag bekommen, aber wir hoffen, es werden nicht zu viele.
Frage: Die Abwehr bleibt das Sorgenkind...
Klinsmann: Wenn wir weiter so konzentriert arbeiten, dann werden wir es auch mal hinbekommen, zu null zu spielen. Und dann sind wir nicht schlecht aufgestellt, wenn wir in die WM gehen.
Frage: Ist Lukas Podolski aus der Mannschaft nach seinen drei Toren überhaupt noch wegzudenken?
Klinsmann: Es ist schon wirklich beeindruckend, wie der Kerl auftritt in dem Alter. Es hat Spaß gemacht, ihm zuzuschauen. Wie der Kerl explodiert, teilweise außergewöhnliche Dinge macht, rein aus dem Instinkt heraus. Es ist ein außergewöhnliches Talent, was da heran wächst. Aber wir müssen ihn sehr behutsam ausbilden. Deswegen hat sich letztlich wirklich unsere Maßnahme ausgezahlt, ihn und auch Basti Schweinsteiger nach dem Confed-Cup pausieren zu lassen - auch mit dem Risiko, dass man vielleicht nicht ganz so torgefährlich ist.
Frage: Riskieren sie also in der Testphase bewusst sportlichen Erfolg?
Klinsmann: Unsere Aufgabe ist es auch, den Lukas auf dem Boden zu behalten. Und das ist auch eine Bitte an die Medien, lasst den Kerl schnaufen, ein normales Leben führen, so gut es geht. Lukas hat noch viel an sich zu arbeiten.
Frage: Kein Feldspieler der Startformation war älter als 29. Wie weit geht der Jugendtrend?
Klinsmann: Da kommen noch mehr Junge dazu. Mit Marcell Jansen hat sich ein junger Kerl in die Mannschaft reingespielt, ein Lukas Sinkiewicz, Patrick Owomoyela positioniert sich stärker und stärker, ein Per Mertesacker ist schon gar nicht wegzudenken. Wir haben der Mannschaft gesagt, ganz nach Otto Rehhagel, es gibt nicht Alt und Jung, sondern nur gut und schlecht. Und wenn die Jungen besser sind, dann werden sie spielen.
dpa: Teammanager Oliver Bierhoff beschwerte sich Anfang der Woche über die angeblich unsachliche Kritik. Wie wollen Sie damit künftig umgehen?
Klinsmann: Kommentare, die von außen kamen in den letzten Tagen, gehören dazu. Das haben wir auch der Mannschaft gesagt. Wenn ein Spiel daneben geht, dann muss man auch mal hinnehmen, dass man auf die Mütze bekommt. Auch das hilft der Mannschaft, dass sie weiterkommt.
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