Bremen - Gegen Südafrika war nach zwei herben Dämpfern wieder alles wie beim Confed-Cup - und nicht nur Jürgen Klinsmann hatte insbesondere an der Gala-Vorstellung der neuen WM-Trumpfkarte Lukas Podolski seine helle Freude.
Der gefeierte Dreifach-Torschütze brachte mit seinem spielfreudigen Kumpel Bastian Schweinsteiger die Offensive der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wieder in Schwung und entzückte das Bremer Publikum so sehr, dass dieses im Jubel über das 4:2 (1:1) gegen Aufbaugegner Südafrika den 20-minütigen Einbruch nach dem 1:1-Ausgleich sowie die Pannen in der neu formierten Azubi-Abwehr ohne großes Murren in Kauf nahm.
Spaß, Spaß, Spaß - dieses Wort kam nach dem Torfestival fast in jedem Satz von Klinsmann vor, ehe er lächelnd in seine Wahlheimat Kalifornien entschwebte. Der Bundestrainer sieht seinen Talentschuppen weiter auf Kurs. Es macht Spaß, dieser Mannschaft zuzuschauen. Es war eine Reaktion nach dem Ausrutscher in der Slowakei, nach dem Dämpfer. Den ersten Sieg in der WM-Saison nahm er zum Anlass, Geduld und Nachsicht mit den Spielern einzufordern. Da wächst eine Mannschaft heran mit vielen jungen Spielern, und die wird noch besser. Zudem warb er um Unterstützung für sein Projekt: Alles ist wohl durchdacht mit Blick auf die WM - nicht auf übermorgen.
Beispielhaft dafür steht der Umgang mit Podolski und Schweinsteiger. Der Bundestrainer nahm die Rückschläge gegen die Niederlande (2:2) und die Slowakei (0:2) ganz bewusst in Kauf und brachte die von den Fans verehrten Youngster erst im Weserstadion wieder von Beginn an. Letztlich hat sich unsere Maßnahme ausgezahlt, Lukas und auch Basti nach dem Confed-Cup pausieren zu lassen - auch mit dem Risiko, dass man vielleicht nicht ganz so torgefährlich ist, berichtete Klinsmann.
Im Jubel-Rausch um Poldi, dem sich keiner verschließen konnte, warnte Klinsmann aber auch vor den Gefahren des Starkults bei einem 20-jährigen Spieler. Unsere Aufgabe ist es auch, den Lukas auf dem Boden zu behalten. Podolski selbst hat aus seiner Holland-Denkpause anscheinend gelernt. Er blieb verbal auf dem Teppich: Wir haben 4:2 gewonnen und mit meinen drei Toren bin ich auch zufrieden. Aber jetzt steht im Oktober die nächste Aufgabe in der Türkei bevor.
Auch für Podolski ist es noch ein weiter Weg, obwohl er neben Kapitän Michael Ballack ein weiterer WM-Eckpfeiler werden kann. Sein erster Dreierpack im Nationaltrikot, mit dem er seine Quote auf elf Treffer in seinen letzten zehn Länderspielen schraubte, überstrahlte alles. Schweinsteiger, der im linken Mittelfeld ebenfalls auf Stammplatz-Kurs ist, beförderte Poldi sogar zu einem kleinen Roy Makaay: Bei dem sind auch acht von zehn Bällen drin. Ein Schlenzer (12.), ein Beinschuss (48.) und ein ansatzloser 18-Meter-Knaller (55.) sowie als Zugabe die Vorlage zum ersten Länderspieltor von Tim Borowski (47.) - besser geht es kaum. Ich überlege nicht. Wichtig ist, der Ball ist drin, meinte Podolski lapidar.
Team-Manager Oliver Bierhoff dachte beim Zuschauen aber nicht nur wegen der Podolski-Gala, es ist wieder Confed-Cup. Auch die Abwehr wird leider das Niveau des Sommerturniers einfach nicht los. Die Gegentore müssen wir abstellen, monierte Bierhoff. Die Umstellung auf ein klassisches 4-4-2 mit einem defensiveren Ballack und einem Lokalmatator Borowski, der seine lang erwartete 90-Minuten-Chance nutzte, verkleinerte zwar die Löcher zwischen Mittelfeld und Abwehr. Aber nicht nur bei den Gegentoren von Shaun Bartlett (26./Foulelfmeter) und Benny McCarthy (50.) wackelte die Abwehr um den schwächelnden Junior-Chef Per Mertesacker und die 19-jährigen Probanden Marcell Jansen und Lukas Sinkiewicz erheblich.
Trotzdem könnten die Talente die WM-Zukunft sein. Der mutig nach vorne stürmende Gladbacher Jansen habe sich auf Anhieb auf der linken Problemseite in die Mannschaft reingespielt, lobte Klinsmann. Auch Podolskis Vereinskollege Sinkiewicz hat Robert Huth vorerst ausgestochen und sich in der Innenverteidigung, die ARD-Experte Günter Netzer als neuralgischen Punkt bezeichnete, in den Augen von Klinsmann als sehr gute Alternative empfohlen.
Beide dürfen wiederkommen und vermutlich im Oktober gegen die Türkei und China auch erneut spielen. Klinsmann will nämlich bei seinem radikalen Jugendstil weiterhin kein Risiko scheuen. Wir haben der Mannschaft - ganz nach Otto Rehhagel - gesagt: Es gibt nicht Alt und Jung. Griechenlands Nationaltrainer kann für Klinsmann auch WM-Vorbild sein: Denn Rehhagel wurde im vergangenen Jahr mit einem Team Europameister, dem niemand den Titelgewinn zugetraut hatte.
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