Gelsenkirchen - Der schmächtige Bursche sieht aus, als würde er die elfte Klasse einer Gelsenkirchener Schule besuchen, doch auf dem Fußball-Platz agiert Schalkes jüngste Errungenschaft aus Brasilien zuweilen schon wie ein Großer.
In Rekordzeit und mit verblüffender Selbstverständlichkeit hat sich Marcio Rafael Ferreira de Souza, genannt Rafinha, beim FC Schalke 04 integriert und in die Herzen der Fans gespielt. Und schon wenige Wochen nach dem Wechsel vom brasilianischen Club Coritiba FC ins Ruhrgebiet geht für den gerade 20 Jahre alten Teenager ein Traum in Erfüllung. Im Champions-League-Spiel gegen den AC Mailand begegnete er seinem Idol aus der brasilianischen Nationalmannschaft: Cafu.
Ronaldo, Ronaldinho, Kaká, Roberto Carlos? Das sind alles großartige Spieler, schwärmt Rafinha und kann seine Vorfreude nicht verbergen, aber wenn man von einem Vorbild sprechen kann, dann ist meines sicherlich Cafu. Schon öfter traf er auf den 15 Jahre älteren Milan-Star, der in der Selecao dieselbe Position bekleidet wie er. Wir kennen uns schon aus der Nationalelf, wenn wir mit der U 21 im Training gegen die A-Mannschaft gespielt haben, berichtet Rafinha, dessen Spielweise und Interpretation der Rolle als rechter Außenverteidiger der von Cafu sehr ähnelt.
So zu spielen liegt in meiner Persönlichkeit, meinem Charakter, erklärt der nur 1,72 Meter große und 66 Kilogramm leichte Wirbelwind. Wegen des ausgeprägten Offensivdrangs und der technischen Fähigkeiten gilt er in der Haimat bereits als designierter Cafu-Nachfolger. Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira hat das Talent, das mit 17 für seinen Heimat-Club Londrina in Brasiliens höchster Spielklasse debütierte, längst im Blickfeld. Sein Urteil: Ein Juwel. Logisch, dass die WM 2006 in Deutschland schon in Rafinhas Kopf herumspukt. Es wäre ein Traum, dann schon zur Auswahl des fünfmaligen Weltmeisters zu gehören: Aber das wird schwierig.
Zunächst will sich Rafinha mit guten Leistungen bei Schalke in der Bundesliga durchsetzen. Als Zukunfts-Investition betrachten die Verantwortlichen den Jungprofi, für den sie fünf Millionen Euro Ablöse locker machten und der bei U 20-WM in den Niederlanden die Talentspäher vieler Top-Vereine verzückte. Seine Premiere bei den Knappen feierte Rafinha mit einem Kurzeinsatz gegen Mönchengladbach, wenig später stand er zum Champions-League-Auftakt in Eindhoven erstmals in der Startelf und war einer der wenigen, die sich gegen das blamable 0:1 stemmten. Danach absolvierte er die Partien gegen Hertha BSC, in Nürnberg und gegen Hannover über die volle Distanz und verdrängte Hamit Altintop von dessen ungeliebter Position.
Dass Rafinha sich so schnell einen Stammplatz erobern würde, hätte selbst Trainer Ralf Rangnick nicht gedacht. Ausländische Spieler brauchen normalerweise eine gewisse Zeit, manchmal ein Jahr, um sich einzugewöhnen. Bei Rafinha geht offenbar alles viel schneller. So zielstrebig wie mit dem Ball ist er auch auf der Schulbank. Eifrig paukt er Deutsch, um sich schnell mit allen verständigen zu können. Eine Freundschaft pflegt er zu Werder Bremens Naldo, der wie er aus Londrina stammt. Und auf Schalke erleichtern ihm die Südamerikaner Dario Rodriguez, Gustavo Varela, Marcelo Bordon und Lincoln die Integration - damit das Nesthäkchen schon bald ein ganz Großer ist.
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