Dortmund - Auf dem Platz herrschte die nach vielen Rückschlägen erhoffte Harmonie, hinter den Kulissen jedoch ist die Stimmung angespannt. Nach dem 2:0 (1:0) über Arminia Bielefeld gab es bei Borussia Dortmund nicht nur zufriedene Gesichter.
Der zweite Saisonsieg bewahrte die Mannschaft zwar vor einem Absturz in untere Tabellenregionen, konnte den seit Tagen schwelenden vereinsinternen Streit aber nicht schlichten. Entnervt von den Scharmützeln der vergangenen Tage kündigte KGaA-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke seinen Rücktritt als Schatzmeister der Borussia an: Ich habe BVB-Präsident Reinhard Rauball davon unterrichtet, dass ich dieses Amt auf der Mitgliederversammlung am 20. November zur Verfügung stelle.
Stein des Anstoßes ist ein seit Wochen schwelender Konflikt um eine Satzungsänderung. Auf Wunsch einiger Mitglieder der zuständigen Kommission sollen die Ämter der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) und des Vereins strikt getrennt werden. Watzke will sein Amt als Schatzmeister zwar zur Verfügung stellen, sich aber vehement gegen die angedachte Änderung zur Wehr setzen. Sollten sich die von ihm in einem dpa-Gespräch als Fundamentalisten bezeichneten Befürworter einer Ämtertrennung durchsetzen, sieht er existenzielle Interessen des Vereins bedroht: Das wäre ein strategischer Fehler. Der Verein würde sich ohne Not kastrieren.
Der zunehmende Gegenwind macht dem Geschäftsführer zu schaffen. Wann immer ich mich in die Diskussion einschalte, werden mir persönliche Motive vorgeworfen. Aber welches Interesse sollte ich an einer Ämterhäufung haben? Es ist schließlich keine besonders attraktive Aufgabe, Schatzmeister eines Vereins zu sein, klagte Watzke. Die in die Öffentlichkeit getragene Auseinandersetzung sei mit Blick auf die ohnehin großen Probleme der finanziell angeschlagenen Borussia kontraproduktiv.
Wie das Fußball-Unternehmen mitteilte, wurde das Geschäftsjahr 2004/2005 erwartungsgemäß mit einem Konzernverlust von 79,6 Millionen Euro abgeschlossen. Vor diesem Hintergrund rief Watzke zu mehr Zurückhaltung auf: Mit solchen Diskussionen schaden wir uns auf unserem Sanierungskurs nur selbst.
Nur gut, dass die Mannschaft nicht für zusätzlichen Unmut sorgte. Der Pflichtsieg im über weite Strecken tristen Westfalen-Derby nach Toren von Jan Koller (26.) und Ebi Smolarek (82.) befreite alle Beteiligten nach einem bisher mäßigen Saisonstart von großem Druck. Vor allem der von einer Darmentzündung genesene Koller trug dazu bei, dass der Bielefelder Abwehr-Beton durchbrochen werden konnte. Es zeichnet den tschechischen Nationalstürmer aus, dass er den Dortmundern trotz seiner am 31. August angekündigten Trennung weiter treue Dienste leistet: Das ist eine Extra-Motivation für mich. Ich will in meiner letzten Saison nochmals alles für die Borussia geben.
Der Treffer von Koller durchkreuzte die Pläne des Gegners, mit Mauerfußball zu punkten. Offenbar hatte das defensive Gastspiel des 1. FC Kaiserslautern drei Tage zuvor in Bielefeld die Arminen inspiriert. Das, was wir am Samstag den Lauterern vorgeworfen haben, habe ich heute bei uns gesehen, vorn war nur ein laues Lüftchen, monierte Präsident Hans-Herrmann Schwick nach dem zwölften sieglosen Auswärtsspiel in Serie. Nur ein Erfolg vor heimischer Kulisse gegen Mönchengladbach kann die Mannschaft von Trainer Thomas von Heesen vor einem Sturz in den Tabellenkeller bewahren. Der wachsende Druck lässt Schwick kalt: Solange wir in der Bundesliga spielen, wird es in Bielefeld immer Druck geben.
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