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Dribbler Karimi überrascht beim FC Bayern | 2005-09-27


München - Auf einen Fototermin in Lederhosen hat Ali Karimi verzichtet, und eine Maß Bier auf dem Oktoberfest ist aus religiösen Gründen tabu. Ansonsten ist der Iraner beim FC Bayern München aber überraschend schnell heimisch geworden.

Mit seinen Dribbelkünsten überzeugte der 26-Jährige beim deutschen Rekordmeister und ließ zudem mit unerwartet großem kämpferischen Einsatz die Kritiker verstummen. Im Mai hatten sich viele noch gefragt: Ali wer? Denn das Erstaunen war groß, als der FC Bayern vor knapp fünf Monaten die Verpflichtung von Asiens Fußballer des Jahres 2004 als erstem Zugang für diese Saison bekannt gab.

Karimi selbst hatte sich den Einstand auf seiner ersten Station bei einem europäischen Spitzenclub offenbar schwerer vorgestellt. Ich konnte nicht damit rechnen, dass ich so viele Einsätze bekomme. Bayern hat viele Superspieler, sagte der abseits des Rasens stets höflich, nahezu scheu auftretende Mittelfeldmann. Den ihm vorauseilenden Ruf hat Karimi schnell aus der Welt geschafft. Als schlampiges, lauffaules Genie galt er bei seinem Ex-Club Al-Ahly Dubai.

Dass sich ein Spieler seiner Güte langfristig an den sportlich unbedeutenden Wüstenclub in den Vereinigten Arabischen Emiraten band, wurde Karimi als finanziell gut dotierte Bequemlichkeit ausgelegt. Man kannte mich hier nicht, ich musste damit leben, sagte Karimi zu den Vorwürfen.

Dennoch verwunderte es, dass ausgerechnet Fitness-Fanatiker Felix Magath auf den Transfer bestand und sich bei den Bayern-Bossen auch durchsetzte. Ich bin von seinen Qualitäten absolut überzeugt, sagte der Trainer und sieht sich nun bestätigt. In der von vielen Bayern-Stars gefürchteten Vorbereitung zog Karimi ohne Probleme mit und zeigt sich zu Beginn der heißen Saisonphase mit Englischen Wochen und den Spielen in der Champions League fit. Ausgerechnet für das Champions-League-Spiel gegen den FC Brügge zwingt ihn aber eine Halsentzündung zu einer Pause.

Ich habe noch nie so viel trainiert in meinem Leben, sagte Karimi. Magath dankte es ihm mit Einsätzen in bislang allen sieben Bundesliga-Spielen. Von dieser Quote konnte Vahid Hashemian nur träumen. Der ebenso zurückhaltende Landsmann Karimis hatte es in der gesamten Vorsaison nur auf neun Bundesliga-Einsätze gebracht und war nach nur einem Jahr Richtung Hannover 96 aussortiert worden. Da sich auch Ali Daei in der Saison 1998/99 (23 Spiele/6 Tore) in der Fußball-Glitzerwelt des FC Bayern nicht behaupten konnte, galten Iraner in München lange nicht als Idealbesetzung. Auch dieses Image hat Karimi widerlegt. Ali hatte einen Super-Einstand. Man sieht schon, welche Fähigkeiten er hat. Er hat gezeigt, dass er eine wichtige Verstärkung für uns ist, schwärmte Stürmer Roy Makaay.

Bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Deutschland will Karimi im Trikot seines Heimatlandes Iran glänzen. Bis dahin muss der FC Bayern über die Zukunft seiner Neuerwerbung entschieden haben. Manager Uli Hoeneß dürfte sich jetzt schon ein wenig ärgern, bei der Verpflichtung das ganz große Risiko gescheut zu haben. Der Mann, der aus der Wüste kam, wurde nur mit einem Vertrag für ein Jahr ausgestattet und könnte im kommenden Sommer ablösefrei wechseln.


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