Kopenhagen - Lange gesucht, endlich gefunden: Ballkünstler Rafael van der Vaart hat nach nur sieben Spieltagen wieder Farbe in den einst grauen Bundesliga-Alltag des Hamburger SV gebracht.
Jahrelang war der HSV auf der Suche nach mehr Spielkultur und scheint sie durch den 22 Jahre alten niederländischen Fußball-Nationalspieler wieder entdeckt zu haben. Er gibt uns das, was uns im vergangenen Jahr gefehlt hat, lobte Kapitän Daniel van Buyten den Kreativspieler, der mit den Hanseaten irgendwann nicht mehr wie im UEFA-Cup antreten will, sondern am liebsten Champions League spielen möchte.
Die Verpflichtung des Spielmachers, für den die Hamburger über fünf Millionen Euro an Ajax Amsterdam zahlen mussten, sorgte in der Fachwelt für Staunen. Von Johan Cruyff bis Günter Netzer verstanden die Experten nicht, warum die Hanseaten einen Spieler vom Format van der Vaarts überhaupt bekommen konnten. Auch der Profi selbst hätte sich nicht träumen lassen, einmal in der Stadt an der Alster, die er nicht einmal kannte, zu landen. Doch HSV-Baumeister Dietmar Beiersdorfer und Trainer Thomas Doll schafften es, ihn so zu begeistern, dass er gleich einen Vertrag bis 2010 unterschrieb.
Dass der Linksfuß überhaupt zu den Hanseaten wechselte, verdankt der HSV aber nicht nur der Überzeugungskraft Dolls und Beiersdorfers, sondern auch einer cleveren Idee von Vorstandschef Bernd Hoffmann. Seine Frau ist mit Sylvie einkaufen gegangen. Sie wollten mich haben, und da ist es gut, bei der Frau des Spielers anzufangen, verriet van der Vaart. Als Sylvie sagte, Hamburg ist toll, war doch eigentlich schon alles klar.
Seine bildhübsche Ehefrau Sylvie rückte schnell in den Fokus der Medien und bekam von einer Boulevardzeitung zeitweilig die tägliche Kolumne Neues von Frau van der Vaart. In den Niederlanden zählte die TV-Moderatorin mit ihrem Gatten zu den Lieblingen der Klatschpresse. Um mehr Ruhe zu haben, verschlug es die beiden nach Hamburg. Doch auch hier können sie sich der Aufmerksamkeit nicht völlig entziehen.
Zwar ist van der Vaart der HSV-Akteur mit dem größten Star-Potenzial, doch gerade durch sein unaufgeregtes Auftreten ohne Allüren verdient er sich ähnlich viel Respekt wie durch Pässe und Dribblings. Ein ganz ruhiger Bursche, der seine Sache macht wie es sein sollte, sagte Sergej Barbarez, auf dessen Schultern im Vorjahr der Großteil der Kreativ-Aufgaben lastete. In einen wahren Rausch spielte sich der Anti-Alkoholiker für seinen neuen Club noch nicht, aber er steuerte schon vier Saison-Tore und zwei Assists bei. Das 1:0 gegen den FC Bayern schoss er sogar mit seinem schwachen Fuß. Unglaublich: Ich kann eigentlich gar nichts mit rechts.
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