London - Michael Ballack bekam zwar keine Siegermedaille, gratulierte aber als Erster seinen Mitspielern zu Chelseas historischem Pokalerfolg im neuen Wembley-Stadion.
Der verletzte Deutsche fiel Sekunden nach dem 1:0-Sieg nach Verlängerung über Meister Manchester United Torschütze Didier Drogba um den Hals. Wir haben heute Geschichte geschrieben, jubelte Trainer José Mourinho, während sich sein Kollege Alex Ferguson um den Sieg betrogen fühlte. Der Ball von Giggs war klar hinter der Linie, tobte der ManU-Coach und wetterte: Ein FA-Cup-Finale hätte einen besseren Schiedsrichter verdient.
Der Aufreger aus der 104. Spielminute beschäftigte alle Beteiligten noch lange nach dem Abpfiff: Chelseas Torwart Petr Cech hatte einen Schuss von Ryan Giggs aus kürzester Distanz pariert, wurde aber vom heranrutschenden ManU-Kapitän mitsamt Ball hinter die Linie gedrückt. Ein klares Tor, wiederholte Giggs unentwegt. Selbst Chelseas Mittelfeld-Star Frank Lampard gestand: Für mich war das ein Tor. Ich dachte in dem Moment, jetzt ist alles vorbei. Doch der Unparteiische Steve Bennett entschied weder auf Tor, noch auf Foul von Giggs, wie Cech reklamierte.
Als alle schon mit einem Elfmeterschießen rechneten, wurde Englands Torschützenkönig Didier Drogba zum Pokalheld (116.). Wie wichtig der einzige große Titel für Chelseas ambitioniertes Millionärsensemble zum Ende einer enttäuschend verlaufenen Saison war, zeigten die Reaktionen: Mourinho sprintete mit geballten Fäusten aufs Spielfeld und sagte nachher: Das ist ein Spiel, das niemand vergessen wird. Drogba gab zu: Wenn wir diesen Cup nicht gewonnen hätten, wären wir sehr, sehr frustriert gewesen.
Während das niveaulose Finale (The Times) kaum jemanden der 89826 Zuschauer von den Sitzen riss, wurde die Rückkehr nach Wembley stilvoll und mit großen Emotionen gefeiert. Spieler-Legenden aus den vergangen 50 Pokalendspielen waren in die 1,5 Milliarden Euro teure Arena einmarschiert. Prinz William hatte dieses prächtige neue Wembley-Stadion offiziell eröffnet.
Chelsea trug sich mit dem vierten Pokalerfolg in die Geschichtsbücher von Wembley ein. Die Londoner hatten auch 2000 das letzte Cup-Finale im alten Stadion gewonnen. Das entschädigt für die verlorene Meisterschaft und das Aus in der Champions League, meinte Lampard. Der vom FC Barcelona umworbene Nationalspieler kündigte eine baldige Vertragsverlängerung an: Das ist mein Verein. Ich möchte für immer hier bleiben. Auch Mourinho gab sich überzeugt, in der kommenden Saison noch Trainer an der Stamford Bridge zu sein: Ich habe Vertrag und möchte bleiben. Der Club hat gesagt, sie wollen mich behalten. Ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln.
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