Nürnberg - Das Tor-Phantom ist wieder da: Marek Mintal hat seinem Spitznamen einmal mehr alle Ehre gemacht und mit seinem ersten Saisontreffer den 1. FC Nürnberg vor einem kapitalen Fehlstart in der Fußball-Bundesliga bewahrt.
Der Torschützenkönig der Vorsaison ließ mit seinem Treffer zum 1:1 (0:1) gegen Hannover 96 auch alle Kritiker verstummen, die den Slowaken nach seinem sensationellen ersten Bundesliga-Jahr schon in einer Krise gesehen hatten. Ich hoffe, jetzt geht es aufwärts. Jeder Fußballer braucht Tore. Gott sei Dank habe ich getroffen, sagte Mintal nach seinem Geniestreich Sekunden vor Spielende, der Club-Präsident Michael A. Roth zum 70. Geburtstag wenigstens einen Punkt bescherte.
Eine mäßige Vorbereitung mit schmerzhafter Fußverletzung und 179 ganz schwache Minuten in der Bundesliga hatten wohl auch den Magier Mintal an seinen Fähigkeiten zweifeln lassen. Seine einzige Torchance nutzte er dann aber gewohnt eiskalt und zeigte sich - eher untypisch - auch außerhalb des Spielfeldes angriffslustig. Roy Makaay hat in zwei Spielen fünf Tore geschossen, aber es ist noch viel Zeit. 32 Spiele habe ich noch. Ich versuche alles, forderte der 27-Jährige seinen Konkurrenten vom FC Bayern München zum erneuten Duell der Tor-Phantome um die Torjäger-Kanone heraus.
Der sehenswerte Volley-Drehschuss kurz vor Schluss konnte aber nicht komplett verdecken, dass Mintal noch nicht in Topform ist. Ich habe katastrophal gespielt, gestand er. Nach einem Fehlpass Mitte der zweiten Halbzeit musste sich das in der Vorsaison 24 Mal erfolgreiche fränkische Fußball-Idol sogar Pfiffe der eigenen Fans gefallen lassen. Trainer Wolfgang Wolf zweifelte aber nicht an seinem Offensivmann. Er wollte zuerst zu viel. Aber einen Mintal wechselt man nicht aus. Der macht schon seine Tore, sagte der Coach. Ich hoffe, dass die Diskussionen jetzt mal vorbei sind.
Die Erleichterung über den Ausgleich war Wolf anzumerken. Ohne Mintals Last-Minute-Treffer, stünde der Club mit null Punkten und null Toren noch tiefer im Tabellenkeller. Einer nach dem frühen Rückstand durch das Tor von Hannovers Rückkehrer Thomas Brdaric (8. Minute) lange bescheidenen Leistung seiner offensichtlich noch nicht eingespielten Mannschaft wollte Wolf dann aber doch positive Aspekte abgewinnen: Wir haben Charakter und Moral bewiesen und uns ins Spiel zurückgekämpft. Wir haben die besseren Werte beim Ballbesitz und den Zweikämpfen, darauf lässt sich aufbauen.
Aufbauarbeit wartet auch noch auf Hannovers Trainer Ewald Lienen. Natürlich ist es blöd, in der 90. Minute den Ausgleich zu kassieren, doch er war verdient. Wir haben viel zu wenig getan, sagte der Coach. Wir müssen uns die Frage gefallen lassen, warum wir nicht selbst gespielt haben, so wie wir es uns erhofft und erwartet haben. Statt mit möglichen vier Punkten sehr weit oben, rangieren die Niedersachsen nach zwei Spielen im Mittelmaß, dem sie in dieser Saison eigentlich entrinnen wollten. Wir hätten wissen müssen, dass Nürnberg so einen hat wie Mintal, der solche Tore schießt, sagte Torwart Robert Enke. Vier Punkte wären schön gewesen, jetzt kommt es auf die nächsten Spiele an.
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