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Klinsmann rechtfertigt Podolski-Verzicht | 2005-08-14


Frankfurt/Main - Jürgen Klinsmann muss im Länderspiel-Klassiker gegen die Niederlande auf den verletzten Stürmer-Routinier Oliver Neuville verzichten - eine Nachnominierung von Jungstar Lukas Podolski plant der Bundestrainer trotzdem nicht.

Wenn alle anderen gesund bleiben, fahren wir mit einem Spieler weniger nach Rotterdam, sagte Klinsmann, der dem 20-jährigen Podolski ebenso wie sieben anderen Teilnehmern am Confederations Cup nach der kurzen Saisonvorbereitung eine schöpferische Pause gönnen will. Wir verzichten lieber jetzt auf sie als bei der WM, entgegnete der DFB-Coach aufgekommener Kritik an der Nichtnominierung einiger WM-Kandidaten.

Der Mönchengladbacher Neuville (32), der nicht für die Mini-WM im Sommer nominiert worden war, sagte wegen einer Rippenprellung und Achillessehnen-Problemen sein Comeback ab. Die übrigen 18 Berufenen trafen sich in einem Frankfurter Flughafen-Hotel zur Vorbereitung auf die erste Prüfung der WM-Saison am 17. August im Stadion De Kuip. Konditions-Trainer Oliver Schmidtlein leitete im Fitness-Center des Hotels die erste Übungseinheit. Klinsmann und Assistent Joachim Löw weilten derweil noch in Stuttgart. Dort stand gemeinsam mit DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder der Besuch der Bundesliga-Partie des VfB gegen den 1. FC Köln und die Ehrung der Sieger eines Jugend-Kleinfeldturniers auf dem Programm. Für den späten Abend wurde das Trainerduo dann in Frankfurt erwartet.

Dem Kräftemessen mit den Oranjes blickt Klinsmann mit etwas Unbehagen entgegen. Klar wollen wir gewinnen, aber wir dürfen nicht übersehen, worum es wirklich geht. Unsere Zielsetzung geht Richtung WM und nicht zum ersten Länderspiel der Saison, sagte der 41-Jährige wohlwissend, dass es keine dankbare Aufgabe ist. Angesichts des frühen Saisonzeitpunktes sei die Mannschaft noch nicht in der Lage für große Taten, warnte der Coach: Es fehlen noch einige Wochen bis zum optimalen Fitness-Niveau. Kapitän Michael Ballack pflichtete dem bei. Jeder Einzelne steht noch nicht bei 100 Prozent, erklärte der Münchner, der sich selbst allerdings beim 5:2-Sieg bei Bayer Leverkusen schon in beachtlicher Frühform präsentierte.

Ballack verteidigte zudem Klinsmanns Rückholaktion der Routiniers Dietmar Hamann (31) und Christian Wörns (33). Die Besten müssen spielen - egal ob sie jung oder alt sind. Vielleicht werden wir durch die Erfahrung dieser Spieler jetzt noch ein bisschen stärker, meinte der 28-jährige Mittelfeldspieler. Zurückhaltender bewertete Ballack die von Klinsmann verordnete Trennung der Torhüter Oliver Kahn und Jens Lehmann bis zum Jahresende. Der Trainer hat seine Vorstellungen und gibt uns Spielern bestimmte Leitlinien vor. Jetzt hat er sich eben entschieden, vorerst nur noch einen von beiden mitzunehmen.

Ob der Dauerkonflikt der beiden Torwart-Rivalen durch die Kontaktsperre gelöst ist, bleibt fraglich. Während der nicht für die Dienstreise nach Rotterdam berücksichtigte Lehmann sein Schicksal weiterhin nicht kommentierte, ließ Kahn am Wochenende mit vorsichtig gewählten Worten, aber sichtlichem Unbehagen erstmals durchblicken, was er von der neuen Situation hält. Es ist so wie es ist und ich nehme es, wie es kommt, nörgelte der 36-Jährige: Vielleicht machen wir das auch noch während der WM, das wäre mal was ganz Neues.

Dazu wird es jedoch nicht kommen. Löw bekräftigte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel erneut, man werde rechtzeitig für klare Verhältnisse im deutschen Tor sorgen. Dann werde es ein ernstes Gespräch mit den Dauer-Rivalen geben, so der Klinsmann-Assistent: Wir müssen am Ende auch dem Unterlegenen klar machen, welche Aufgaben er hat. Wir erwarten eine klare Aussage, ob er bereit ist, alles für den Erfolg des Teams zu tun. Wenn einer sich nicht auf die Bank setzen will, ist das Thema schnell erledigt.

Auch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff verteidigte Klinsmanns Torwart-Strategie. Man kann daran nichts Negatives finden. Die Gründe dafür sind mehr als einleuchtend, sagte Bierhoff. Ganz locker sehe die sportliche Leitung Kahns abwertende Reaktion: Wenn man davon überzeugt ist, was man macht, lässt man sich von so etwas nicht beirren. Wichtig sei, dass die Torhüter in dieser Saison in Ruhe ihre Spiele machen könnten, und das können sie.


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