Rotterdam - Grundsatzdiskussion über den sportlichen Direktor - so lautet nach Einschätzung von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder in Frankfurt das wichtigste Thema bei der Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
Mayer-Vorfelder ist definitiv dafür, dass die von Bundestrainer Jürgen Klinsmann angeregte neue Planstelle nach monatelangen Diskussionen nun endlich ausgeschrieben wird, der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger ebenso. Deshalb geht es schon lange nicht mehr darum, ob der Sportdirektor kommt, sondern wer es sein wird, wann er seine Arbeit aufnimmt und welche Aufgaben er überhaupt haben soll.
Jeder hat zwei, drei Namen in petto, verriet Mayer-Vorfelder, die Namen müssen jetzt aus dem Präsidium kommen und in vertrauensvoller Art und Weise mit dem Trainerstab besprochen werden. Deshalb hält auch er seine Kandidaten noch unter Verschluss. Nur um das Anforderungsprofil macht der 72-Jährige, der nach der WM im nächsten Jahr aus dem Amt scheidet, kein Geheimnis: Es muss ein Mann mit Einfluss und Reputation sein, der nicht die Ambition hat, Bundestrainer zu werden, der aber bereit wäre, im Notfall interimsmäßig die Nationalmannschaft zu trainieren. Er soll schon Erfahrungen als Bundesliga-Trainer gesammelt haben, weil davon seine Akzeptanz in der Bundesliga abhängt. Er muss kein Deutscher sein, aber die deutsche Sprache beherrschen. Er muss sich mit Klinsmann, Löw und Bierhoff genauso verstehen wie mit den Trainern in den Leistungszentren und den Verbandssportlehrern.
Matthias Sammer wäre einer, der nahezu alle Punkte erfüllen würde. Obendrein käme der gebürtige Dresdner auch noch aus dem Osten Deutschlands und damit Zwanzigers Wunschvorstellung sehr nah. Doch Mayer-Vorfelder bezweifelt, dass der im Sommer beim VfB Stuttgart beurlaubte Sammer für den Schreibtisch-Job in der DFB-Zentrale zu gewinnen ist. Das kann ich mir nicht vorstellen. Der ist nach wie vor auf eine Trainertätigkeit in der Bundesliga fokussiert. Berti Vogts, Klinsmanns Favorit auf den Posten, hat sich aus dem Rennen genommen. Der Ex-Bundestrainer hatte im Mai die Konsequenzen aus den Vorbehalten der Verbandsspitze gegen ihn gezogen, und Klinsmann musste erstmals die Erfahrung eines Rückschlags bei seinem Bestreben nach Reformen machen. Derweil machen in der Frankfurter DFB-Zentrale andere Namen die Runde: Stefan Kuntz, Guido Buchwald, Frank Neubarth, Ulf Kirsten, Peter Neururer, Bernard Dietz, Hans-Jürgen Dörner oder Dieter Eilts, derzeit Coach der U21.
Von Michael Skibbe, dem noch bis zur WM vertraglich an den DFB gebundenen Jugend-Koordinator, spricht indes niemand. Er sei zwar ein exzellenter Verkäufer bei der Talentförderung, so Mayer-Vorfelder, aber Skibbe fehle es an Durchsetzungsvermögen und obendrein an der Akzeptanz bei Klinsmann und vor allem bei Manager Oliver Bierhoff. Man muss danach suchen, wie man ihn gerecht behandelt, sagte Mayer- Vorfelder über Skibbe.
Hauptaufgabe des neuen Sportdirektors wird der Aufbau eines Leistungszentrums und eine Eliteschulung sein in enger Bindung zur Nationalmannschaft. Zudem soll er dafür sorgen, dass die vom Bundestrainer ausgegebene Spielphilosophie einheitlich bis in die jugendlichen Auswahlmannschaften des Verbandes verinnerlicht wird. Deshalb ist eine enge Bindung zur sportlichen Leitung der Nationalmannschaft - Klinsmann, Löw und Bierhoff - zwingend. Auch über deren Zukunft wird auf der Präsidiumssitzung am 26. August gesprochen werden - möglicherweise mit dem Ergebnis, dass Zwanziger mit Bierhoff über eine Vertragsverlängerung verhandeln soll.
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