Moskau - Nur älteren russischen Fußball-Fans ist ein großer Erfolg ihrer Nationalmannschaft in Deutschland noch in bester Erinnerung. Bei der EM 1988 kam die Sbornaja, damals noch als Auswahl-Team der Sowjetunion, bis ins Finale, unterlag dort aber den Niederlanden.
Die neue Generation will nun an diese Zeiten anknüpfen. Die Mannschaft ist spielstark, geprägt von ZSKA Moskau, das den UEFA-Cup dominiert und gewonnen hat, warnte Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor der blutjungen und hungrigen russischen Elf (Durchschnittsalter 22 Jahre).
Der 3:1-Finalsieg der einstigen Armee-Mannschaft ZSKA Moskau über Sporting Lissabon - der erste Europacup-Erfolg eines russischen Teams überhaupt - hat auch der Nationalmannschaft neues Leben und neue Hoffnung eingehaucht. Dieser Erfolg hat gezeigt, dass wir wieder an internationales Niveau heranwachsen, erklärte Trainer Juri Sjomin, der während der laufenden WM-Qualifikation das Amt übernommen hat. Die jungen Spieler sind sehr kombinationssicher und vor allem enorm schnell, berichtete DFB-Assistenzcoach Joachim Löw, der zusammen mit seinem Chef Klinsmann das jüngste 2:0 der Russen gegen Lettland auf Video analysiert hat.
Das Rückgrat der aktuellen Sbornaja bildet die Hintermannschaft von ZSKA. Der erst 19 Jahre alte Torhüter Igor Akinfejew sowie die Zwillingsbrüder Alexei und Wassili Beresuzki (23) waren am Wochenende die Garanten für den Sieg in Lettland, mit dem das Team in der Gruppe 3 die Chance auf ein WM-Ticket nach Deutschland wahrte. Die Russen liegen punktgleich mit den Slowaken (14) hinter Tabellenführer Portugal (17) derzeit auf dem dritten Platz. Selbst im Kreml ist man zuversichtlich, dass nach der WM 2002 und der EM 2004 erneut die Qualifikation gelingt. Dabei begannen die Gruppenspiele im vergangenen Herbst mit einem Desaster. Erst gingen die Russen 1:7 in Portugal unter, dann reichte es in der früheren Sowjetrepublik Estland nur zu einem Unentschieden - Grund für den Trainertausch.
Der neue Mann Sjomin, früher Meistertrainer von Lokomotive Moskau, hat gleich sechs Spieler von ZSKA im Aufgebot für Mönchengladbach. Zudem soll das Stürmer-Duo von Zenit Sankt Petersburg, Andrej Arschawin (24) und Alexander Kerschakow (22), für Überraschungen sorgen. Dritte Stütze sind die Mittelfeldspieler von Lokomotive Moskau, Spielmacher Dmitri Loskow (30) und Marat Ismailow (22). Möglicherweise rückt in Mönchengladbach wieder der 34-jährige Routinier Sergej Owtschinnikow von Lok Moskau zurück ins Tor.
Aus dem gegenwärtigen Kader spielen nur zwei Fußballer im Westen - ein neuer Trend. Alexej Smertin (30) tritt für Chelsea London an, dessen Besitzer der russische Ölmagnat Roman Abramowitsch ist. Smertins Mittelfeld-Kollege Sergej Semak (29) hat in Paris bei St. Germain angeheuert. Dass die anderen Nationalspieler in ihrer Heimat spielen, spricht nicht unbedingt gegen ihre Qualitäten. Durch die Investitionen zahlreicher Milliardäre ist die russische Liga auf dem besten Weg, eine der finanzstärksten in ganz Europa zu werden. Auch ZSKA wird von Abramowitsch finanziert.
Nationaltrainer Sjomin hat vor dem Freundschaftsspiel in Mönchengladbach bereits angekündigt, einige taktische Varianten auszuprobieren. Wir haben viele kleine Spieler und die Deutschen sind stark in der Luft, betonte Sjomin. Die Konter der Deutschen bereiteten ihm im Vorfeld Sorgen. Möglicherweise erhalten einige ZSKA-Stars eine Pause.
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