London - Nordirland zählt als 114. der FIFA-Weltrangliste auf dem Platz mittlerweile zwar zu den Fußball-Zwergen, in der Geschichte des Sports aber zu den Großen.
Denn die Irish Football Association (IFA), die mit dem Länderspiel gegen Deutschland ihr 125-jähriges Bestehen feiert, ist der viertälteste nationale Fußball-Verband der Welt. Sie gehört dadurch noch immer dem exklusiven Kreis der unabhängigen Regelkommission IFAB an, der einzigen Institution, die über die Änderung der Spielregeln befinden kann.
Nur das Mutterland des Fußballs, England, sowie Schottland und Wales können auf eine noch längere Geschichte zurückblicken. Allerdings liegen die Glanzzeiten der nordirischen Nationalmannschaft weit zurück - und Deutschland spielte dabei eine Hauptrolle. Kurz vor dem Anpfiff lassen die größten Fußball-Helden der grünen Insel im Windsor Park die ruhmreiche Vergangenheit aufleben.
Bis heute ist Nordirland die einzige Nation, die Deutschland in einem EM- oder WM-Qualifikationswettbewerb gleich zwei Mal besiegen konnte. 1982 im heimischen Nationalstadion von Belfast und im Jahr darauf in Hamburg - jeweils mit 1:0. Zwischen 1980 und 1986 erlebte die IFA-Auswahl ihre beste Zeit. Bei der WM 1982 schlug sie Gastgeber Spanien sensationell mit 1:0, wurde Gruppenerster, scheiterte dann aber in der Zwischenrunde. 1980 und 1984 gewann Nordirland die Home International Championchip - das mittlerweile abgeschaffte älteste Turnier, ausgetragen mit England, Schottland und Wales.
Nationaltrainer in diesen Jahren war Billy Bingham, neben George Best der bekannteste Kicker seines Landes. Er hatte bereits als Spieler entscheidenden Anteil am wohl größten Erfolg: der Viertelfinal-Teilnahme bei der WM 1958. Als legendär gilt das Team, das damals ein als historisch gefeiertes 2:2 gegen Deutschland erreichte. Neun Spieler dieser Elf werden eine Ehrenrunde durch das Belfaster Nationalstadion drehen, bevor Ballack, Kahn & Co. den Rasen betreten dürfen.
Doch seit 1986 geht es mit der nordirischen Nationalmannschaft, in der traditionell überwiegend Protestanten spielen, bergab. Parallel dazu erlebte der 1921 gegründete Irische Fußball-Verband (FAI) seinen Aufschwung. Dessen Auswahl konnte sich seitdem für drei WM-Turniere und eine EM-Endrunde qualifizieren, Nordirland blieb in dieser Zeit nur die Zuschauerrolle. Den Tiefpunkt erlebte das Team zwischen Oktober 2001 und März 2004, als es 1298 Minuten lang kein einziges Tor schoss und sogar auf Platz 124 der FIFA-Rangliste abrutschte.
Seit Jahresbeginn trainiert Lawrie Sanchez die Nationalmannschaft und setzt bescheidene Ziele: Wir können hoffen, dass wir in meiner Amtszeit unter die ersten Hundert aufsteigen. In der aktuellen WM-Qualifikation liegt sein Team mit lediglich drei Punkten abgeschlagen hinter England (16), Polen (15) und Österreich (11). Die 58er Helden werden unerreicht bleiben, glaubt Sanchez: Wir werden niemals mehr unter die ersten Acht kommen.
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