Leverkusen - Der Streit schien bereits beendet, doch nun will Fußballprofi Jens Nowotny mit einer Klage auf Lohnfortzahlung gegen seinen Verein Bayer Leverkusen doch vor Gericht ziehen.
Der lange am Kreuzband verletzte 31-jährige Abwehrspieler stößt mit dieser Absicht abermals auf Unverständnis bei den Fans und auf Widerstand bei seinem Arbeitgeber. Ich habe schon versucht, ihn anzurufen. Aber er ist heute nicht zu sprechen. Es wird aber noch einen letzten Versuch geben, um eine vernünftige Lösung zu finden, sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser der dpa. Dennoch scheint eine gerichtliche Auseinandersetzung zurzeit unausweichlich. Geplanter Verhandlungstermin ist der 21. September.
Am Samstag hatte Nowotny in der Radio-Sendung Sportzeit im WDR 2 angekündigt, er wolle die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall über den gesetzlichen Zeitraum von sechs Wochen hinaus vor Gericht erwirken. Insgesamt geht es um eine Summe von fast einer Million Euro. Nowotny hatte sich im Februar seinen vierten Kreuzbandriss im Knie zugezogen, ist mittlerweile aber ins Mannschaftstraining der Rheinländer zurückgekehrt.
Bereits Anfang Juli hatte Nowotny eine Klage auf Lohnfortzahlung angestrengt, eine Woche später aber wieder zurückgezogen. Sicherlich habe ich mit meiner Forderung einen Fehler begangen, hatte Nowotny seinerzeit erklärt und die Konsequenzen aus den Reaktionen der Fans gezogen, die ihm Abzockermentalität vorwarfen.
Für Holzhäuser war die Angelegenheit danach eigentlich erledigt. Er hat in einem Gespräch, bei dem auch Rudi Völler dabei war, seine Ansprüche zurückgenommen und die Klage zurückgezogen. Nowotnys neuer Vorstoß kommt daher für ihn sehr überraschend. Holzhäuser kann das Vorgehen des ehemaligen Kapitäns nicht nachvollziehen, aber: Ich bin Geschäftsführer einer GmbH. Ich muss meine Gefühle ausschalten und trenne zwischen dem Fußballprofi und dem Menschen Jens Nowotny. Ich muss und werde mich an die Aktenlage halten.
In der Öffentlichkeit werde meist nur eine Seite dargestellt, da müsse man vorsichtig sein. Ich bin aber sicher, jeden zu überzeugen, wenn ich meine Sicht der Dinge darlege, erklärte Nowotny. Treibende Kraft könnte dessen Onkel und Berater Georg Bischoff sein, der bei Bayer inzwischen eine unerwünschte Person ist. Mit ihm setzen wir uns nicht mehr an einen Tisch, sagten Holzhäuser und Sportchef Völler unisono.
Im Vertrag zwischen Bayer und Nowotny, der noch bis 2008 datiert ist, gibt es nach Bayer-Angaben keine Klausel über eine Lohnfortzahlung nach Ablauf der gesetzlichen Sechs-Wochen-Frist. Allerdings war dem ehemaligen Abwehrchef, der in seiner Dienstzeit in Leverkusen seinen dritten Kreuzbandriss erlitten hatte, bei den zwei vorherigen Verletzungen jeweils das Gehalt in bestimmtem Umfang weitergezahlt worden. Nowotny beruft sich bei dem Streit nun auf eine mündliche Vereinbarung mit dem ehemaligen Geschäftsführer Reiner Calmund und glaubt, diese Absprache gelte für alle Zeiten. Holzhäuser dazu: Das wird von Herrn Calmund bestritten.
So ist eben das Fußball-Geschäft, meinte Nowotny, der sich mit seinem Arbeitgeber im Oktober in einem weiteren Rechtsstreit vor Gericht treffen wird. In der zweiten Auseinandersetzung geht es um die Art der Versteuerung eines so genannten Handgeldes von rund zehn Millionen Euro, das Bayer vom Sommer 2002 an in fünf Raten an seinen Spieler zahlen musste.
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