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WM-Tickets: 80 Prozent kritisieren Web-Verlosung | 2005-09-05


Stuttgart - Vier von fünf Deutschen sind mit der Vergabe der Eintrittskarten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 über das Internet unzufrieden. Das geht aus einer Langzeitstudie der Universität Hohenheim hervor.

Nur zwölf Prozent der Menschen, die eine Karte erhalten haben, empfanden diesen Modus als sehr positiv, sagte der Marketingexperte Professor Markus Voeth der dpa in Stuttgart. Die Hälfte der Deutschen wollen laut Befragung ein WM-Spiel im Stadion ansehen.

Trotz der Unzufriedenheit über den Modus will ein Viertel bei weiteren Angeboten im Internet wieder mitmachen. 28 Prozent planen, ein Ticket auf dem grauen Markt zu bekommen. Am meisten kritisiert wurde, dass nur relativ wenig reguläre Karten angeboten wurden sowie die vielen VIP-Eintrittskarten. Auch die Umtauschmöglichkeiten sowie die Verpflichtung, die Nummer eines Ausweises bei der Bestellung angeben zu müssen, sorgte bei den Käufern für Unmut.

Wunschkommentator der Zuschauer ist nach der repräsentativen Studie mit 2100 Befragten Johannes B. Kerner (ZDF), den sich 45 Prozent der Befragten wünschen. Dahinter folgen ARD-Experte Günther Netzer (36 Prozent) und Reinhold Beckmann (ARD/35). Erst an vierter Stelle liegt Franz Beckenbauer (31) vor Gerhard Delling und Marcel Reif (je 27). Bei den Sender liegen ARD und ZDF vorne: Vier von fünf Zuschauern finden es richtig, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen die Übertragungsrechte von mindestens 48 Spielen gesichert haben. Für eine Gebührenerhöhung, um dies zu finanzieren, zeigen 85 Prozent jedoch kein Verständnis.

Laut Studie wünscht sich die Bevölkerung zudem mehr Hintergründe zu den Ereignissen aus den Spielorten, sagt Stefan Sandulescu, der stellvertretende Projektleiter. Expertengespräche und Spielanalysen aus dem WM-Studio könnten dagegen gern reduziert werden. Zurückgefahren werden sollten nach Meinung der Befragten auch Spielstatistiken, Spielwiederholungen, Interviews und technische Spielereien wie beispielsweise Abstandsmessungen bei Freistößen.

Die Akzeptanz der Titelkämpfe ist in Deutschland seit der Vergabe im Jahr 2001 nach Angaben von Voeth kontinuierlich gestiegen. Aktuell befürworten 83 Prozent, dass die WM in unserem Land stattfindet. Vor vier Jahren waren es nur 76 Prozent. Nur acht Prozent lehnen dieses Ereignis ab (2001: 17 Prozent). Die WM sei gute Werbung für Deutschland sowie eine Plattform für die Völkerverständigung und bringe Vorteile für Tourismus und Industrie, meinen die Befürworter. Die Gegner weisen auf die hohen Kosten hin und fürchten Überfüllung, Hooligans, Kriminalität und andere Sicherheitsrisiken, erklärte Voeth.


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