London - Die Ära José Mourinho beim FC Chelsea ist nach drei Jahren großer Erfolge und heftiger Streits mit Clubbesitzer Roman Abramowitsch dramatisch zu Ende gegangen.
Das wars, alles Gute für Eure Karriere, schrieb der portugiesische Startrainer in der Nacht per SMS an Mannschaftskapitän John Terry und vier andere Spitzenspieler des Clubs an Londons Stamford Bridge. Der weiter verletzte Michael Ballack dürfte nach den jüngsten Querelen allerdings kaum unter den Adressaten der nächtlichen Handybotschaft des Ex-Trainers gewesen sein.
Kurz nach der Mourinho-SMS wussten aber Spieler, von denen viele gerade in einem Kino den neuen Dokumentarfilm Blue Revolution über den Erfolg des Clubs seit der Übernahme durch Milliardär Abramowitsch anschauten: José Mourinho, den viele Profis fürchteten und die meisten Fans verehrten, hat seinen Hut genommen. Offiziell hieß es noch in der Nacht in einer Clubmitteilung, man habe sich im gegenseitigen Einvernehmen getrennt. Den letzten Ausschlag gab offenkundig der Fehlstart mit dem 1:1 in der Champions League gegen Rosenborg Trondheim.
Den FC Chelsea könnte die Trennung nach Medienberichten umgerechnet 35 Millionen Euro kosten. Mourinho muss sich hingegen kaum Sorgen über einen neuen Arbeitsplatz machen. In seiner Heimat Portugal wurde er bereits als Nachfolger des unter Druck geratenen Nationaltrainers Felipe Scolari gehandelt.
Vorläufiger Nachfolger Mourinhos bei Chelsea ist ein Mann, den der russische Clubbesitzer nach Angaben britischer Medien hinter den Kulissen protegiert und als Sportdirektor immer mehr zum Rivalen für den 44-jährigen Chefcoach aufgebaut hatte: Avraham Grant (51), bis Juni 2006 noch israelischer Nationaltrainer. Wielange Grant das Starensemble der Blues dirigieren darf, war zunächst noch unklar. In britischen Medien schossen Gerüchte über die Suche nach einem neuen Startrainer ins Kraut, der den vergleichsweise unbekannten Israeli demnächst ablösen soll.
Einmal mehr wurde dabei der Name des deutschen Ex-Nationaltrainers Jürgen Klinsmann für einen der am höchsten bezahlten, aber auch aufreibendsten Trainer-Jobs der Welt ins Spiel gebracht. Bereits im Frühjahr war der Wahl-Amerikaner als Kandidat in London gehandelt worden. Als Alternativen brachte die Times den Niederländer Guus Hiddink, der nach der WM das russische Nationalteam übernommen hatte, sowie den früheren Trainer von Juventus Turin, den Franzosen Didier Deschamps, ins Gespräch. Jemand von diesem Kaliber müsse es schon sein, wenn Stars und Fans von Chelsea zufrieden gestellt werden sollen, hieß es in britischen Kommentaren.
Schon am 23. September steht Grant vor seiner Feuerprobe: Im Spitzenspiel der Premier League bei Manchester United wird sich zeigen, ob Chelsea in dieser Saison überhaupt noch eine Chance hat, wieder an die Spitze vorzustoßen. Derzeit stehen die Blues, die mit Mourinho 2005 und 2006 Meister wurden, aber nie die Champions League gewinnen konnte - auf dem fünften Rang - genau hinter Manchester durch ein etwas schlechteres Torverhältnis.
Die vorzeitige Aufhebung des mit jährlich 5,2 Millionen Pfund (7,5 Millionen Euro) dotierten Vertrages von Mourinho könnte den FC Chelsea umgerechnet 35 Millionen Euro kosten, berichtete die britische BBC. Die Diskussionen seien bereits seit einiger Zeit im Gange, da beide Seiten mit der Trennung gerechnet hätten.
Welche Folgen der Abgang Mourinhos für die Zukunft Ballacks bei Chelsea hat, war zunächst nicht absehbar. Der Portugiese hatte den Kapitän der deutschen Nationalelf in der vergangenen Saison zwar gegen Kritik verteidigt, doch Ballacks Alleingang bei der Behandlung seiner Knöchelverletzung im Frühjahr aber auch massiv kritisiert und nach britischen Presseberichten sogar dessen Rauswurf gefordert. Der Coach hatte den 30-Jährigen auf Anraten der Chelsea-Ärzte nicht für den Champions-League-Kader nominiert.
Als Hauptgrund nennen Insider nach Angaben des Guardian, dass Abramowitsch von Mourinho für seine 500 Millionen Pfund (rund 745 Millionen Euro), die er seit 2003 in den Club gesteckt hat, einen expansiveren und attraktiveren Fußball erwartet hatte. Der Portugiese habe für den Geschmack des Russen zu sehr auf Nummer sicher spielen lassen, war in London immer wieder zu hören.
Nach der 0:2-Niederlage gegen Aston Villa Anfang des Monats und dem ebenfalls enttäuschenden Start in die Champions League mit einem 1:1 gegen Trondheim sollen zwischen Abramowitsch und Mourinho die Fetzen geflogen sein. Das war dem Portugiesen, der zum Antritt bei Chelsea im Sommer 2004 noch erklärt hatte, er sei a special one (ein ganz Besonderer), dann offenkundig zu viel.
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