Düsseldorf - Die Fußball-Bundesligisten haben ihren Trend zu mehr mutigen Investitionen auf dem Transfermarkt auch in der Nachspielzeit fortgesetzt. Trotz aller Sparzwänge haben zwölf Clubs der Eliteliga vor dem Ende der Wechselfrist ihren Kader personell verstärkt.
23 Spieler haben die Vereine für eine Gesamtsumme von 18,7 Millionen Euro seit Ende Juli nachverpflichtet. Damit gaben die 18 Erstligisten insgesamt 89,9 Millionen Euro für 159 neue Spieler aus - rund 20 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr. Dem stehen nach einer dpa-Erhebung Transfereinnahmen von 80,24 Millionen Euro für 166 abgegebene Akteure gegenüber.
Den teuersten Einkauf in der Nachspielzeit leistete sich der FC Schalke 04 mit dem 19-jährigen Brasilianer Rafinha. Fünf Millionen Euro blätterten die Gelsenkirchener für den rechten Außenverteidiger hin. Damit investierte der deutsche Vizemeister insgesamt 14,3 Millionen Euro in neue Spieler, nur 1,5 Millionen weniger als der diesjährige Finanz-Primus Werder Bremen. Die sonst so sparsamen Bremer öffneten vor dieser Saison ihr Portemonnaie weit. Mit dem spät verpflichteten Naldo (3,0), Torsten Frings (6,0), dem inzwischen an Mainz 05 ausgeliehenen Mohamed Zidan (3,0), Patrick Owomoyela (2,0) und Leon Andreasen (1,8) gönnte sich der Champions-League-Teilnehmer gleich fünf Millionen-Einkäufe.
Von den 21 Nachschlägen wechselten nur Patrick Weiser (von Wolfsburg nach Köln) und der Ägypter Zidan (von Bremen nach Mainz) innerhalb der Bundesliga. Das Gros der zuletzt verpflichteten Liga-Neulinge kommt aus Brasilien (5) und Serbien-Montenegro (4), lediglich zwei haben einen deutschen Pass.
Hektische Betriebsamkeit herrschte in den vergangenen Tagen und Wochen vor allem in Wolfsburg. Nach dem Weggang des bulgarischen Nationalstürmers Martin Petrow, der für zehn Millionen Euro zum spanischen Traditionsclub Atletico Madrid transferiert wurde, schlugen die Wölfe fünf Mal auf dem Mercato zu. Für die Nachzügler Abuda, Bojan Neziri, Lewan Zkitischwili, Steve Marlet und Alex investierte der VfL jedoch nur rund ein Viertel der Einnahmen aus dem Petrow-Deal.
Neben Wolfsburg waren auch der 1. FC Köln und der VfB Stuttgart mit jeweils drei Nachverpflichtungen aktiv. Nach dem Verkauf von Kevin Kuranyi (für 7,0 zu FC Schalke 04) und Alexander Hleb (für 15,0 zu Arsenal London) musste der VfB in der Offensive reagieren. Als Ersatz für die beiden Eigengewächse wurden die beiden Stürmer Jesper Grönkjaer und Danijel Ljuboja sowie der kroatische Mittelfeldspieler Mario Carevic für zusammen 4,25 Millionen Euro geholt. Zuvor hatten die Stuttgarter bereits den dänischen Star Jon Dahl Tomasson vom AC Mailand für angeblich acht Millionen Euro unter Vertrag genommen. Dennoch machten die Stuttgarter mit 10,75 Millionen Euro das größte Transferplus aller Bundesligisten.
Im Gegensatz zum VfB legte Köln bei den Neuerwerbungen den Schwerpunkt auf die Defensive. Zur Unterstützung der beiden 19 Jahre jungen Innenverteidiger Lukas Sinkiewicz und Marvin Matip verpflichteten die Kölner die beiden Routiniers Özalan Alpay (86 Länderspiele für die Türkei) und Weiser. Zudem lieh der FC den Marokkaner Youssef Mokhtari vom Zweitligisten FC Energie Cottbus aus.
Mit dem deutschen Meister FC Bayern München, Kaiserslautern, Nürnberg, Duisburg, Frankfurt und Hannover verzichteten sechs Vereine auf weitere Neuzugänge. Obwohl 96-Trainer Ewald Lienen derzeit den Ausfall von zehn verletzten Profis beklagt, besserte der Verein seinen Kader nicht nach. Wir haben kein Geld für neue Profis, begründete Ilja Kaenzig diese Zurückhaltung auf dem Transfermarkt. Gleichwohl ließ sich Hannovers Manager eine Hintertür offen: Derzeit vereinslose Spieler wie Ex-Nationalstürmer Fredi Bobic (zuletzt Hertha BSC) oder Abwehrspieler Kostas Konstantinidis (1. FC Köln) können auch nach dem Ende der Wechselfrist verpflichtet werden.
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