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Neid vor Feuertaufe als DFB-Cheftrainerin | 2005-08-31


Vancouver - Silvia Neid ist eigentlich ein alter Hase, doch vor ihrer Feuertaufe als Cheftrainerin der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft spürt sie ein ungewöhnliches Kribbeln im Bauch.

Es ist schon etwas Besonderes, mit den Frauen statt mit der U 19 unterwegs zu sein. Aber alle im Team unterstützen mich toll, die Spielerinnen ziehen gut mit, sagte die Nachfolgerin von Tina Theune-Meyer vor ihrer Premiere mit den beiden Länderspielen gegen Kanada in Vancouver und in Edmonton.

Nach dem abermaligen Gewinn des EM-Titels im Juni in England übernahm die 41 Jahre alte Neid das Zepter von der auf eigenen Wunsch aus dem Amt geschiedenen Erfolgstrainerin Theune-Meyer. Dass die langjährige Assistentin und U 19-Trainerin (seit 1996) den A-Kader übernimmt, war für Theo Zwanziger logisch. Sie kennt den DFB aus dem Effeff, ist seit neun Jahren dabei und hat Frau Theune-Meyer immer loyal zur Seite gestanden. Die Messlatte liegt hoch, aber ich traue Frau Neid die Aufgabe zu. Sie hat unsere volle Unterstützung, so der DFB-Chef.

Bereits seit Anfang der Woche sind Silvia Neid und 18 Akteurinnen, darunter 14 Europameisterinnen, in Kanada. Bis zur ersten Partie stehen nur leichtere Übungseinheiten und Regeneration auf dem Plan. Alle sind noch etwas müde vom Flug und der Zeitumstellung. Aber ich denke, bis zum ersten Spiel sind alle fit, meinte Neid, die ein völlig anderer Typ ist als die stets ruhig und bedächtig auftretende Vorgängerin. Silvia Neid ist impulsiv und strahlt eine natürliche Fröhlichkeit aus.

Zudem hat sie den Vorteil, aus den Erfahrungen ihrer eigenen erfolgreichen Spielerkarriere schöpfen zu können. Immerhin trug Neid 111 Mal das Nationaltrikot, wurde 1995 Vize-Weltmeisterin und gewann drei EM- sowie 13 nationale Titel. An der grundsätzlichen Ausrichtung der DFB-Frauen will Neid nicht rütteln: Ich habe das Konzept ja mitgetragen und zum Teil mit Tina entwickelt. Wir wollen weiterhin offensiv und attraktiv spielen. So waren wir erfolgreich. Ich wäre doch blöd, wenn ich viel ändern würde.

Obwohl die meisten Nationalspielerinnen ihre neue Chefin schon lange kennen, sind sie noch unsicher, was sie erwartet. Denn die Karten werden neu gemischt, von der U 19 und U 21 drängen junge Talente nach und beleben den Konkurrenzkampf. Wir sind alle sehr gespannt, wie es weiter geht, sagte Weltfußballerin und DFB- Spielführerin Birgit Prinz, die auf jeden Fall noch bis zur Weltmeisterschaft 2007 in China die Stütze der Mannschaft sein wird.

Die WM-Teilnahme ist auch das Nahziel von Neid, die von den Assistentinnen Ulrike Ballweg und Maren Meinert unterstützt wird. Bereits am 25. September steht mit dem WM-Qualifikationsspiel gegen Russland in Siegen, wo Neid die größten Erfolge als Spielerin feierte, ihr Heimdebüt an. Die Tests in Kanada gegen den vom Norweger Even Pellerud trainierten Weltranglisten-14. kommen ihr aus zweierlei Sicht gerade recht. Kanada hat eine starkes und körperlich robustes Team. Das werden schwere Prüfungen, betonte Neid.

Zudem ist sie ganz froh, ihre ersten Spiele nicht in Deutschland zu erleben. Man steht nicht so in der Öffentlichkeit, weil die Partien nicht im Fernsehen gezeigt werden. Daher ist der Druck nicht ganz so groß. Bisher ist die Bilanz gegen Kanada makellos (6 Spiele - 6 Siege), doch bei den letzten Treffen in diesem Frühjahr in Osnabrück (3:1) und Hildesheim (3:2) ging es äußerst knapp zu.


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