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Golfer Kahn bringt Beckenbauer in Rage | 2005-09-04


Bratislava - Das Torwart-Theater im deutschen Nationalteam ging auch in Bratislava munter weiter, obwohl Jens Lehmann mit seiner Leistung keine neuen Angriffsflächen bot.

Der Herausforderer von Oliver Kahn wies nach dem 0:2 gegen die Slowaken den Vorwurf der Respektlosigkeit seitens seines Rivalen entschieden zurück. Zudem reagierte er auf neuen Gegenwind von Franz Beckenbauer, der auch die Torwart-Rotation des Bundestrainers wegen der Golf-Auszeit des seiner Meinung nach besten Torwarts Kahn unverhohlen kritisierte. Jürgen Klinsmann nahm das wiederum zum Anlass, um mit deutlichen Worten zu dokumentieren, wer im Torwart-Streit das Sagen hat - nämlich er.

Klinsmann verteidigte nochmals seinen Konkurrenzkampf um die Nummer eins, den er bis zur Weltmeisterschaft fortführen will. Eine frühzeitige Festlegung auf Kahn oder Lehmann wies er barsch zurück. Wir müssen umdenken: Wenn ich von einem Leistungswettkampf auf allen Positionen rede, kann ich nicht eine Position ausklammern. Dann gehört der Torwart genauso dazu, ob er will oder nicht. Er kann sich nicht das Recht nehmen zu sagen, ich will heute wissen, dass ich bei der WM im Tor stehe. Wo sind wir dann angekommen?, sagte Klinsmann in einem Interview mit dem ARD-Hörfunk nach dem Spiel. Zwischen Kahn und Lehmann gebe es kein eindeutiges Leistungsgefälle: Sepp Maier war damals unangefochten. Den konnte man nicht berühren. Der hatte eine Ausnahmesituation, der hatte über allen Dingen gestanden.

Beckenbauer sieht das anders. Bilder von Kahn, der seine Auszeit bei den Spielen gegen die Slowakei und gegen Südafrika zum Golfspielen nutzt, brachten den ZDF-Experten in Rage: Wenn ich solche Bilder sehe, dass der beste Torwart Golf spielt, wenn hier ein Länderspiel ist, kann ich es nicht fassen. Klinsmann bescheinigte der Kaiser zwar noch gute Nerven, aber er machte den Bundestrainer für das anhaltende Torwart-Theater mitverantwortlich: Er scheut sich davor, eine Entscheidung zu treffen und die Angelegenheit zu lösen. Es liegt an ihm, wie lange er mit diesem Problem rumlaufen will, bemerkte Beckenbauer. Lehmann wiederum warf der Kaiser zum wiederholten Mal vor, dass er der Provokateur im Streit mit Kahn sei: Es kommen immer wieder Pfeile aus London.

Lehmann ließ sich nach dem ärgerlichen Spiel gegen die Slowaken (Wenn man als Torwart zwei Tore reinkriegt, ist das immer zu viel) nicht zu verbalen Attacken hinreißen - aber er bezog klar Position gegenüber Kahn und Beckenbauer. Ich respektiere Oliver, ich respektiere die Entscheidung von Jürgen Klinsmann und Beckenbauer will ich nicht weiter kommentieren, sagte er - tat es dann aber doch: Franz Beckenbauer war ein höchst erfolgreicher Spieler, ein fantastischer Trainer und er hat die WM nach Deutschland geholt. Natürlich hätte ich es lieber, wenn er mich gut leiden würde und ich nicht in dieser Konkurrenzsituation stünde, so dass er sich nicht großartig über mich äußern müsste.

Zum wiederholten Male beklagte Lehmann den Lobbyismus, den die Führung des FC Bayern München für ihren Kapitän Kahn betreibe. Ich werde jede Woche mit einem Interview mit jemandem vom FC Bayern München konfrontiert. Von Arsenal London mischt sich auch keiner in die Sache ein. Einzig und allein der Bundestrainer ist wichtig. Was der nachher entscheidet, das muss man akzeptieren zu der einen oder anderen Seite. Alles andere ist nicht erwähnenswert, sagte Lehmann.

Seine Ansprüche auf den Platz im deutschem WM-Tor will Lehmann auch in Zukunft anmelden. Ich glaube an mich, das wird erlaubt sein. Wie es in neun Monaten aussieht, weiß heute noch keiner. Aber ich glaube, dass es keine Respektlosigkeit ist, wenn ich sage, dass ich überzeugt davon bin, das ich gerne spielen würde.


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