Bremen - Fünf Jahre vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land ist Südafrikas Fußball-Wunder vorerst beendet und der einst rasante Aufstieg der Bafana Bafana gestoppt.
Nach dem Scheitern in der Qualifikation für die WM im kommenden Jahr in Deutschland steht der Ausrichter der Titelkämpfe 2010 vor einem Scherbenhaufen und muss schon im Testspiel gegen die deutsche Nationalmannschaft am 7. September in Bremen einen Neuanfang einleiten. Die Zukunft von Trainer Stuart Baxter ist dabei mehr als ungewiss. Der Engländer gilt am Kap der Guten Hoffnung nach nur etwas mehr als einem Jahr im Amt als gescheitert.
Bye, Bye Bafana, titelten die Zeitungen nach dem 1:3 in Burkina Faso, das durch den Sieg Ghanas gegen Uganda (2:0) letztlich das WM-Aus besiegelte. Und das Urteil der Medien für Baxter wurde auch gleich mitgeliefert. Seine Tage sind gezählt. Baxter selbst zeigte sich vom Auftritt seiner Mannschaft enttäuscht: Ich bin absolut niedergeschlagen. Und: Das könnte das Ende sein. In Bremen dürfte er - wenn überhaupt - zum letzten Mal auf der Bank sitzen. Wer an Baxters Stelle den nötigen Neuanfang bei der einstigen Fußball-Boom-Nation einleiten soll, steht noch nicht fest, doch die Probleme werden auch für den Nachfolger bleiben.
Nach einem Jahrzehnt mit großer Aufbruchstimmung, das dem Ende des Apartheid-Regimes 1992 folgte, steckt der Fußball in Südafrika in einer großen Krise. Viele Talente können sich in der von chaotischen Umständen begleiteten nationalen Liga nicht entwickeln. In Europa spielen die Stars wie Sibusiso Zuma von Arminia Bielefeld oder England-Legionär Shaun Bartlett von Charlton Athletic eher in Durchschnitts-Clubs. Nun sollen Jungstars wie Steven Pienaar (Ajax Amsterdam) oder Katlego Mphela (Super Sport United) Symbolfiguren eines Neuanfangs sein.
Für die Vorbereitungen auf die erste Fußball-WM in Afrika ist das Ausscheiden wenig förderlich. Der beim nationalen Spitzenclub Kaizer Chiefs beschäftigte deutsche Trainer Ernst Middendorp bezeichnete die Quali-Pleite sogar als Katastrophe. Neben finanziellem Nutzen hätte eine WM-Teilnahme in Deutschland eine neue Aufbruchstimmung einleiten und vom Wirrwarr in der Heimat Ablenken können.
Längst vergessen sind die glorreichen Gründertage, als Bafana Bafana (Die Jungs) im Rausch des Apartheids-Endes in den 90er Jahren auf die Weltbühne des Fußballs stürmte. Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela gratulierte 1996 nur vier Jahre nach der Aufnahme in den Fußball-Weltverband Freude strahlend zum Gewinn der Afrika-Meisterschaft. Fußball, der Sport der schwarzen Mehrheit im Land, sorgte für neues Selbstvertrauen und schien den von Weißen geprägten Nationalsportarten Rugby und Cricket den Rang ablaufen zu können. Als erstem afrikanischen Land der südlichen Hemisphäre gelang 1998 und 2002 zudem die WM-Qualifikation.
Doch seit dem WM-Aus in der Vorrunde in Japan und Korea vor drei Jahren ging es praktisch nur noch bergab. Auch beim Afrika-Cup im Vorjahr in Tunesien musste man sensationell schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten. Baxter ist der achte Nationalcoach in sieben Jahren. Doch es gibt auch etwas Grund zur Hoffnung: Dass ein künftiger Gastgeber beim WM-Turnier nicht dabei ist, ist nicht ungewöhnlich. Auch Frankreich fehlte 1994 in den USA und erklomm vier Jahre später im eigenen Land souverän den WM-Thron.
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