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FIFA-Chef Blatter predigt die Macht des Fußballs | 2005-07-28


München - Friedensstifter, Wirtschaftsmotor und Menschenverbesserer: In visionärer Mission hat Präsident Joseph Blatter vom Weltverband FIFA den Fußball als Allheilmittel für fast alle Probleme auf dieser Welt gepredigt.

Universelle Einblicke in den Fußball gewährte die als Meilenstein auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2006 gepriesene Konferenz Visions of Football in München aber nicht. Nur noch eine sehr überschaubare Menge von Besuchern verfolgte die Ausführungen über Fußball und Medien und Fußball und Business.

Als DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder ans Rednerpult trat, um als Vorsitzender der FIFA-Medienkommission über aktuelle Situationen der Fußballberichterstattung zu referieren, konnte er sich den Satz nicht verkneifen, dass er auf der Fahrt von Stuttgart die Vision gehabt habe, dass die Autobahn so leer ist wie dieser Saal. Am Vortag, als mit Blatter, UEFA-Präsident Lennart Johansson und Franz Beckenbauer hochkarätige Experten vor Ort waren, hatten immerhin knapp 400 Zuhörer den Weg in die Aula gefunden, um das völkerverständigende Ereignis zu verfolgen. Nach Veranstalterangaben hatten sich etwa 1600 Fachleute für den dreitägigen Kongress angemeldet.

Für die bayerische Staatsregierung und das deutsche Organisationskomitee der Weltmeisterschaft 2006 ging die Rechnung auf. Die Worte Blatters (Ich bin ein gläubiger Mensch), die WM in Deutschland werde mit Gottes Hilfe die Welt beglücken, machten Ministerpräsident Edmund Stoiber und OK-Chef Beckenbauer glücklich. Mit seinen tiefsinnigen Anmerkungen über die verbindende und Frieden stiftende Kraft des Fußballs (Durch den Fußball werden alle bessere Menschen) stieß Blatter bei Beckenbauer auf Zustimmung: Wo Fußball gespielt wird, wird nicht gekämpft. Wenn also alle Menschen Fußball spielen würden, gäbe es keine Kriege - aber es spielt nicht jeder Fußball. 1,2 Milliarden, ein Fünftel der Weltbevölkerung, gehören zur FIFA-Familie, 205 Mitgliedsverbände, 250 aktive Mitglieder - aber als Weltfriedensorganisation will Blatter seinen Verband nicht verstehen. Aber wir können zu Friedenslösungen beitragen.

Mehr versteht sich die FIFA schon als Ankurbler der Wirtschaft. Fußball sei ein florierender Wirtschaftsmarkt, der Arbeitsplätze schaffe, sagte Blatter. Die Einnahmen, von denen 60 Prozent in die Entwicklungsländer und den Nachwuchs fließen, würden weiter steigen, bei der WM 2010 in Südafrika seien noch höhere TV-Gelder als 2006 zu erwarten. Blatter sprach auch davon, die FIFA würde eine führende Rolle im Kampf gegen Doping spielen. Aber: Trotz Drängens der Weltdoping-Agentur Wada akzeptiert die FIFA nicht den Wada-Code und führt kaum Trainingskontrollen durch.


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