Stuttgart/Leipzig - Auf den ersten Blick erfüllt Jesper Grönkjaer viele Dänen-Klischees: höflich, antwortet in Englisch auf die ihm deutsch gestellten Fragen, ein klassischer Schwiegermutter-Typ eben.
Ich bin keine schwierige Person und niemand, der gern Ärger macht. Und auch kein Disco-Junge. Das ist nicht meine Mentalität, sagt der 27 Jahre alte Neuzugang im Mittelfeld des VfB Stuttgart. Doch sein zurückhaltendes Auftreten außerhalb des Fußballplatzes sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Grönkjaer auch die dunklen Seiten des Lebens und des Profigeschäfts kennen gelernt hat.
Bei seinem bisherigen Verein Atletico Madrid stand er spätestens nach der Verpflichtung des Wolfsburgers Martin Petrow im Abseits. Ich hatte eine fantastische Zeit in Madrid, aber auch persönliche Probleme, sagte Grönkjaer. Während der Europameisterschaft vor gut einem Jahr in Portugal starb seine Mutter. Der inzwischen 55-malige Nationalspieler flog zur Beerdigung zurück nach Dänemark, wurde nach seiner Wiederkehr im Gruppenspiel gegen Bulgarien eingewechselt und schoss das 2:0. Eigentlich kam sein Einsatz zu früh. Aber er hat einen großartigen Charakter gezeigt, sagte der dänische Trainer Morten Olsen damals.
Auch VfB-Stürmerstar Jon Dahl Tomasson ist von den menschlichen und spielerischen Qualitäten seines Landsmanns überzeugt: Er ist ein toller Typ und ein super Fußballer. Er wird der Mannschaft viel helfen können. Das Danish Dynamite-Duo will nur die gegnerische Abwehr sprengen und nicht für Zündstoff in den eigenen Reihen sorgen. Das Team besteht nicht nur aus uns beiden, auch wenn wir 1992 das erste Mal zusammen gespielt haben. Wir müssen eine Einheit werden, stellt Grönkjaer klar. Jon Dahl war wichtig, aber nicht entscheidend für meinen Wechsel.
VfB-Trainer Giovanni Trapattoni hat in dem Dänen-Duo seine Wunschspieler bekommen. Ich habe im Verein sehr viel Druck gemacht. Sie werden unser Team weiter nach vorne bringen. Gleichzeitig forderte der 66-Jährige aber Geduld. Ein Haus baut man auch nicht in ein oder zwei Monaten, das dauert etwas länger, sagte der Italiener und erinnerte an Michel Platini, der bei Juventus Turin mit ihm als Trainer ein halbes Jahr gebraucht habe, um sich einzugewöhnen.
Bereits zwei Mal kreuzten sich die Wege des gebürtigen Grönländers Grönkjaer mit dem VfB. Vor neun Jahren traf er als 18-Jähriger beim UI-Cup-Aus seines damaligen Vereins Aalborg PK, im Februar 2004 beförderte er mit dem FC Chelsea London im Achtelfinale der Champions League die Schwaben aus dem Wettbewerb. Damals trug Kevin Kuranyi noch jene die Rückennummer 22, mit der nun Grönkjaer auflaufen wird. Bedenken vor einem Vergleich hat er nicht: Kevin war ein fantastischer Spieler und ich respektiere das. Aber die 22 ist nur eine Nummer.
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