Buenos Aires - Tango statt Samba im südamerikanischen Fußball. Mit einer Gala-Vorstellung gegen den fünffachen Weltmeister Brasilien hat Argentinien als erstes Team des Subkontinents sein Ticket für die WM 2006 gelöst.
Die Gauchos zwangen den Erzrivalen in Buenos Aires mit 3:1 (3:0) in die Knie und versetzten das Land damit in Feierstimmung. Wenn man so gut spielt, hat man es verdient, dass Deutschland einem die Tore zur WM weit öffnet, schrieb die Zeitung La Nacion voller Vorfreude auf das Turnier in einem Jahr. Dagegen kritisierte Brasiliens Ex-Nationalstürmer Casagrande als TV-Kommentator vor allem das Defensiv-Verhalten des entzauberten Titelverteidigers: Wir hätten vor der Pause noch deutlicher untergehen können.
Nach dem Schlusspfiff am späten Abend trotzten Tausende Argentinier Wind und spätherbstlicher Kälte, um auf den Straßen von Buenos Aires zu feiern. Die Bewohner des Landes, die sich nur langsam aus der schweren Krise von 2001 kämpfen, ließen ihrer Freude mit Gesängen und Autokorsos freien Lauf. Seit langer Zeit habe ich die Argentinier nicht so glücklich gesehen, sagte ein Nachrichtensprecher des TV-Senders Fox Sport. Deutschland könnte noch in diesem Monat beim Confederations Cup eine Neuauflage des südamerikanischen Giganten-Duells erleben, in dem Argentinien nun wieder die Nase vorn hat. Es war der 34. Sieg gegen die Brasilianer bei 33 Niederlagen und 22 Unentschieden.
Das ist einer der glücklichsten Tage meiner Karriere, jubelte Nationaltrainer Jose Pekerman. Seine Mannschaft hatte die 55 000 Zuschauer im ausverkauften Monumental-Stadion eine Halbzeit lang mit Traum-Fußball entzückt. Mit genauem und schnellem Passspiel tauchten die Hausherren ein ums andere Mal gefährlich vor Didas Tor auf. Die Treffer von Mittelstürmer Hernán Crespo (3./40. Minute) und Roman Riquelme (18.) waren logische Folge der Überlegenheit. Dabei imponierte vor allem Spielmacher Riquelme vom spanischen Club FC Villareal mit seiner filigranen Technik. Sieg und Qualifikation widme ich den Fans, sagte der überglückliche Doppel-Torschütze Crespo, der nun mit seinen Kollegen zum Confederations Cup nach Deutschland fliegt.
Die bis auf Ronaldo in Bestbesetzung angetretenen Brasilianer wurden derart vorgeführt und in ihrem Stolz verletzt, dass sie in der ersten Hälfte zu für sie eher ungewöhnlichen Mitteln griffen. Superstar Ronaldinho hätte nach einer Tätlichkeit gegen Sorin vom Platz gestellt werden müssen. Auch Abwehrspieler Roque Junior von Bayer Leverkusen verlor zwei Mal die Nerven. Nach der Pause schalteten die Argentinier einen Gang zurück und die Selecao kam besser ins Spiel. Nach einigen vergebenen Chancen kam Brasilien dank eines Freistoß-Knallers von Roberto Carlos (70.) zum 3:1. Dennoch ging Coach Carlos Parreira nach dem Abpfiff entgegen seiner Art wortlos an den Reportern vorbei in die Kabine.
Der in Brasilien hoch gelobte Traum-Sturm mit Ronaldinho, Jungstar Robinho, Kaka und Adriano, der beim 4:1 über Paraguay noch geglänzt hatte, setzte nur in der zweiten Hälfte einige Akzente. Die Deutschen Ze Roberto, Juan und Roque Junior offenbarten viele Schwächen. Nach der 15. von 18 Runden des südamerikanischen Qualifikations-Turniers führt Argentinien die Tabelle mit 31 Punkten an. Verfolger Brasilien (27 Punkte) sowie Ecuador (23) und Paraguay (22) haben die besten Chancen, die Gauchos zur WM zu begleiten. Der Fünfte bestreitet Relegationsspiele gegen ein Team aus Ozeanien.
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