Barcelona - Verkehrte Welt beim FC Barcelona: Nicht einmal drei Wochen nach dem Gewinn der spanischen Fußball-Meisterschaft ist der Hauskrach bei den Katalanen eskaliert. Vizepräsident Sandro Rosell erklärte seinen Rücktritt.
Der 41-Jährige zog damit die Konsequenz aus einem seit Monaten schwelenden Machtkampf mit dem Barça-Präsidenten Joan Laporta. Ich bin der Verlierer, räumte Rosell ein, der als der Architekt der Renaissance der Blauroten gegolten hatte. Ohne mich kann Laporta ruhiger arbeiten. Mit dem Vize legte auch das Vorstandsmitglied Josep María Bartomeu sein Amt nieder. Damit verlor der Club in einer Woche drei Führungskräfte, nachdem zuvor bereits der Chef der medizinischen Abteilung, Jordi Monés, zurückgetreten war.
Der Rücktritt Rosells löste in Barcelona Befürchtungen aus, ob die Katalanen ihre Erfolgself um Ronaldinho & Co. zusammenhalten können, die erstmals nach sechs Jahren wieder den Titel in der Primera División gewann. Rosell, ein Ex-Manager des Nike-Konzerns, hatte mit seinen Südamerika-Beziehungen die Verpflichtung von Ronaldinho und Deco in die Wege geleitet. Die Fans fragen sich nun: Bleiben der Weltfußballer des Jahres 2004 und der aus Brasilien stammende Portugiese bei Barça, nachdem ihr Vertrauensmann gegangen ist?
Laporta und Rosell hatten vor zwei Jahren einen Club übernommen, dessen Schuldenberg Schwindel erregend war und dessen Fußballer nur Misserfolge anhäuften. Die einstigen Jugendfreunde vollbrachten ein kleines Wunder. Sie bauten mit Trainer Frank Rijkaard ein Team auf, das endlich wieder einen Titel holte und das - was für die Katalanen besonders wichtig ist - den Erzrivalen Real Madrid fußballerisch in den Schatten stellte.
Aber dann tat sich ein Riss zwischen dem Clubchef und dessen Vize auf, der nicht mehr zu kitten war. In der Barça-Führung standen sich plötzlich zwei Lager gegenüber. Laporta führte mit Rijkaard und dem Ex-Weltstar Cruyff das Lager der Niederländer an, Rosell das der Brasilianer. In dem Streit ging es auch darum, welche Rolle Cruyff im Club spielte. Das einstige Fußballidol hatte die Wahl Laportas unterstützt, aber selbst jedes Amt im Vorstand abgelehnt.
Die Brasilianer erhoben den Vorwurf, dass Cruyff von außen in den Club hineinregiert, Laporta die wichtigen Entscheidungen mit dem Niederländer ausgekungelt und die Rosell-Leute an den Rand gedrängt habe. Cruyff wies dies zurück: Der einzige Rat, den ich gegeben habe, war die Verpflichtung von Rijkaard vor zwei Jahren.
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