Frankfurt/Main - Die Bundesliga steht bei den bevorstehenden TV-Vertragsverhandlungen nach Ansicht der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Scheideweg.
Wir müssen uns jetzt entscheiden: Wollen wir bei den großen Jungs mitspielen? Dann müssen wir nach denselben Kriterien agieren, sagte der künftige Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, Christian Seifert, dem Fachmagazin Kicker. Er verwies auf die Steigerungen bei den TV-Einnahmen in den europäischen Konkurrenzligen in Frankreich und England.
Sollte man sich aber für die Tradition entscheiden, dann müssen wir uns in diesem Rahmen bewegen, meinte der 36-Jährige weiter. Das schließe Umsatzsteigerungen nicht aus. Aber dann werden uns natürlich Grenzen gesetzt sein. Der Marketing-Experte plädierte dafür, über Spieltage, Anstoßzeiten und TV-Partner nachzudenken. Seifert wird am 1. Juli Wilfried Straub in der DFL-Geschäftsführung ablösen.
In wenigen Wochen beginnt die Ausschreibung für die TV-Rechte an der Bundesliga von der Saison 2006/2007 an. Bisher nahmen die Vereine aus der 1. und 2. Liga pro Jahr insgesamt 300 Millionen Euro ein. Bayern Münchens Vorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte zuletzt mindestens 500 Millionen Euro jährlich für einen neuen TV-Vertrag verlangt.
Nach Einschätzung der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young gerät Deutschlands Profi-Fußball bei der Vermarktung von Fersehrechten international ins Abseits. Zwar erwarten die Vereine der 1. und 2. Bundesliga nach einer Studie in den kommenden Jahren insgesamt steigende Einnahmen. Doch bei den wichtigen TV-Einnahmen liege Deutschland mit rund 300 Millionen Euro pro Jahr deutlich hinter den höchsten Spielklassen in England (710 Mio Euro), Italien und Frankreich (je 550 Mio).
Noch lebt der deutsche Fernsehzuschauer, was das Programmangebot, den zusammenhängenden Spieltag und die zeitnahe Berichterstattung im Free-TV angeht, in paradiesischen Zuständen. Das wird sich ändern, sagte Wirtschaftsprüfer Arnd Hovemann in Frankfurt. An der Studie zur wirtschaftlichen Lage des Profifußballs beteiligten sich 17 Manager der 36 Clubs in 1. und 2. Liga.
Nach Einschätzung Hovemanns birgt vor allem das Bezahlfernsehen in Deutschland noch erhebliches Einnahme-Potenzial. Er ergänzte: Wenn man die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten will, muss man sich auch Gedanken machen über eine Änderung des Verteilschlüssels. Vor allem der deutsche Meister Bayern München fordert, erfolgreichen Vereinen mehr Geld aus den Übertragungsrechten zukommen zu lassen.
In wenigen Wochen beginnt die Ausschreibung für die TV-Rechte an der Bundesliga von der Saison 2006/2007 an. Bayern-Vorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte zuletzt mindestens 500 Millionen Euro jährlich für einen neuen TV-Vertrag verlangt. Die derzeit gültigen Kontrakte mit ARD, ZDF, DSF und dem Bezahl-Fernsehsender Premiere enden nach der Saison 2005/2006.
Insgesamt sehen sich die Vereine der Studie zufolge auf finanziell soliderer Grundlage als noch vor einem Jahr. Gründe seien steigende Sponsoreneinnahmen und sinkende Spielergehälter. Zwei Drittel der Vereine (65 Prozent) bezeichnen ihre wirtschaftliche Lage als gut oder eher gut (Vorjahr: 48 Prozent). Jeder zweite Manager (53 Prozent) erwartet in der nächsten Saison steigende Einnahmen - vor allem dank Werbung und Sponsoring. Das bedeutet nicht, dass die Vereine künftig im Geld schwimmen werden, sagte Wirtschaftsprüfer Stefan Pfeiffer.
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