Preston - Inka Grings bejubelte ihr erstes EM-Tor, Sandra Minnert widmete den Treffer der verstorbenen Großmutter, und DFB-Chef Theo Zwanziger gab in England seiner heimlichen Liebe ein Versprechen.
Heimlich ist sie ja eigentlich nicht. Jeder weiß, dass ich ein Fan des Frauenfußballs und unserer Nationalmannschaft bin. Wenn sie das Finale erreicht, würde ich wiederkommen, betonte der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bevor er von Preston aus gemeinsam mit Delegationsleiter und Vize-Präsident Engelbert Nelle zurück nach Deutschland reiste.
Das 3:0 des Titelverteidigers gegen Frankreich in Warrington zum EM-Vorrundenabschluss hatten sich beide Funktionäre angeschaut. Während Nelle wegen der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Norddeutschen Fußball-Verbands unabkömmlich ist, hat Zwanziger das Endspiel fest im Visier. Die deutsche Elf hat es im Halbfinale gegen den EM-Debütanten Finnland also in der Hand, den Boss zum Überarbeiten seines vollen Terminkalenders zu zwingen. Eigentlich, so Zwanziger, werde er von Bundesinnenminister Otto Schily bei der Gala zum Kulturprogramm für die WM 2006 in Frankfurt erwartet: Aber er wird verstehen, dass ich dann nicht kommen kann.
3 Siege, 9 Punkte, 8:0 Tore - kein Wunder, dass auch Zwanziger mit der bisher makellosen Bilanz des fünfmaligen Europameisters zufrieden ist. Mehr kann man nicht erwarten. Die Mannschaft ist erfolgreich, auch wenn ich schon bessere Spiele von ihr gesehen habe, sagte der 60-Jährige, der erstmals ein großes Frauen-Turnier besucht. Bisher war ich dafür nicht zuständig, sagte er bedauernd. Schon Ende der 80er Jahre sei er als Mitarbeiter von Egidius Braun vom Frauenfußball infiziert worden. Derweil ist er Mitglied beim UEFA-Cup-Sieger Turbine Potsdam, dessen Vertreter er ebenso zur Stippvisite auf die Insel einlud wie die des Meisters FFC Frankfurt.
Darüber hinaus hat Zwanziger, dessen DFB-Schreibtisch ein Foto von Stürmerin Anja Mittag ziert, einen sehr persönlichen Grund, sich mit aller Kraft für die kickenden Damen einzusetzen. Gern erzählt er die Geschichte von dem Tag, der sein Leben veränderte: 18. Juni 2000. Da fand kein WM-Finale statt, sondern Paula erblickte das Licht der Welt. Den 5. Geburtstag seiner Enkelin will er nicht verpassen. Seit Generationen gab es in unserer Familie nur Jungs, sagte Zwanziger, und so genießt Paula beim stolzen Opa eine Art Narrenfreiheit. Wir kicken häufig im Garten oder im Büro. Ich versuche ihr zu vermitteln, dass Sport die schönste Nebensache der Welt ist - und Fußball die allerschönste.
Davon ist auch Deutschlands Elite überzeugt. Vor allem Inka Grings und Sandra Minnert. Sie erzielten beim erst in der Schlussphase heraus geschossenen 3:0 gegen Frankreich ihre ersten Turniertore und strahlten um die Wette. Ich bin erleichtert, dass es endlich mit dem Tor geklappt hat, sagte Grings, die den ganzen Rummel um ihre Beziehung zu Wolfsburgs Trainer Holger Fach gut verpackt hat. Auch Minnert war gut gelaunt. In der Vorwoche musste sie noch für einen Tag zur Beerdigung ihrer Großmutter nach Hause fliegen. Nun gilt ihre ganze Konzentration dem EM-Titel: Und das Tor widme ich meiner Oma.
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