Herzogenaurach - Im langen Wettstreit um die Nummer eins bei der WM 2006 gehen die Sticheleien zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann trotz Ehrenkodex munter weiter.
Nachdem sich Lehmann öffentlich über angeblichen Lobbyismus für Kahn durch Bayern München beklagt hatte, setzte sich sein Kontrahent zur Wehr. Ich weiß nicht, was das nun wieder soll. Ich glaube nicht, dass ich drei Mal Welttorhüter geworden bin, weil es eine Lobby gab, sondern ich habe mir das alles mit meiner Leistung erarbeitet, betonte Kahn in einem Interview mit dem kicker. Er könne mit Lehmanns Aussagen nichts anfangen.
Auch Kapitän Michael Ballack kritisierte Lehmann. Ich weiß nicht, was Jens meint. Im Moment ist er in der besten Situation, die er jemals in der Nationalmannschaft hatte, sagte Ballack der Münchner Zeitung tz. Ich habe kein Verständnis dafür, mit welchen Argumenten er den FC Bayern und die Spieler attackiert. Das ist nicht korrekt und damit macht er sich auch keine Freunde.
Lehmann hatte kritisiert, dass aus München gegen ihn gearbeitet werde, seit er Ambitionen auf den Stammplatz im Tor habe: Da kam die Maschinerie von Bayern München in Gang, als die Lobbyisten, die Meinungsmacher dort, gekommen sind und gesagt haben: Moment, Lehmann, dich wollen wir hier mal gar nicht haben.
Die sportliche Führung unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann war darum bemüht, die anhaltenden Spannungen zwischen den Torwart-Routiniers herunter zu spielen. Anstelle des ursprünglich angekündigten Torwart-Trainers Andreas Köpke erschien kurzfristig Team-Manager Oliver Bierhoff zur Pressekonferenz, um die Wogen zu glätten.
Bierhoff räumte ein, dass Lehmann seine Äußerungen vor Klinsmann erklären musste. Da der Keeper des FC Arsenal versichert habe, seine Worte seien nicht gegen Kahn gerichtet gewesen, seien die team-intern festgelegten Verhaltensregeln nicht verletzt worden. Bierhoff äußerte sogar Verständnis für die Lobby-Aussagen von Lehmann: Ich weiß das ja aus meiner Zeit in Italien selbst. Wenn man im Ausland spielt, hat man hier keinen Verein, der sich für einen einsetzt.
Er sehe die derzeitige Rotation im deutschen Tor relativ gelassen, erklärte Kahn. Nur dieses Lobby-Zeug, das sehe ich alles andere als gelassen, zumal ich mich bisher an die aufgestellten Regeln, den Konkurrenzkampf sportlich auszutragen, gehalten habe und es auch nicht nötig habe, meinen Konkurrenten auf anderen Ebenen zu attackieren, sagte der 36-jährige Bayern-Torwart, der seine Position nach elf Monaten unter Klinsmann trotz der fortwährenden Rotation nicht gefährdet sieht: Ich brauche mir keine Gedanken zu machen, weil ich wieder da stehe, wo ich einmal stand.
Kahns Äußerungen seien vollkommen korrekt, meinte Bierhoff: Wir werden es immer wieder haben, dass die Torhüter auf ihre Stärken hinweisen. Der Manager bescheinigte den Rivalen insgesamt einen respektvollen Umgang, auch wenn sie keine Freunde mehr werden. Verhältnisse zwischen Torhütern sind nie harmonisch gewesen, sonst wären sie keine guten Torhüter, sagte Bierhoff.
Zugleich widersprach er Interpretationen, wonach Klinsmann im Verlaufe des Confederations Cups bereits eine Torhüter-Hierarchie im Hinblick auf die Weltmeisterschaft festgelegt habe: Es hat sich nichts verändert seit dem Amtsantritt von Jürgen Klinsmann. Es wird weiter ausprobiert. Im Halbfinal-Klassiker gegen Brasilien darf absprachegemäß Lehmann das Tor hüten. Für Kahn ist das Finale oder das Spiel um Platz drei reserviert.
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