Wolfsburg - Dank großer Moral hat Bayer Leverkusen im Kampf um den UEFA-Cup-Platz alles in eigener Hand. Beim VfL Wolfsburg holte die Werkself wie schon vor zwei Wochen auf Schalke einen Zwei-Tore- Rückstand auf und kann nach dem 2:2 (0:2) mit einem weiteren Unentschieden im letzten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach alles klar machen.
Es ist ganz gut, dass der Druck da ist. Da können wir wenigsten kein Larifari spielen, meinte Bayer-Trainer Klaus Augenthaler. Nach dem Abpfiff war Augenthaler zunächst bedient: Manchmal glaube ich, ich verstehe die Welt nicht mehr, grantelte der Weltmeister von 1990. Man spricht mit den Spielern. Dann geht es los, und wir stehen überhaupt nicht auf dem Platz. Da frage ich mich manchmal, warum tust du dir das an?, sagte er.
Die Wolfsburger Miroslav Karhan (24.) und Thomas Brdaric (30.) bestraften die in der ersten Halbzeit schlafwandelnden Leverkusener mit ihren Toren vor 24 771 Zuschauern in der Volkswagen-Arena. Das hat sich nun schon durch die gesamte Saison gezogen. Wir finden immer wieder zu spät ins Spiel, rätselte Kapitän Carsten Ramelow.
Aber zum Glück gab es die Pause, und Augenthaler musste nicht einmal laut werden, um seine Elf wach zu rütteln. Das war nicht nötig. Es wusste jeder, dass er großen Scheiß gespielt hat. Wir wollten rausgehen und es anders machen, sagte Bernd Schneider. Schon in den ersten fünf Minuten nach dem Wechsel war zu sehen, dass da eine andere Mannschaft auf dem Platz steht. Da war sofort zu merken: Die Mannschaft gibt richtig Gas, wunderte sich Sportdirektor Rudi Völler.
Augenthalers Einwechslungen taten ein übriges. Zunächst stand Franca, der sich mit Abwanderungsgedanken trägt, nach einer Ecke goldrichtig und ließ VfL-Torhüter Simon Jentzsch mit einem straffen Schuss ins rechte Eck keine Chance (61.). Dann schoss Daniel Bierofka vier Minuten vor Schluss Ausgleich ein, der Leverkusens Chancen auf den UEFA-Cup wieder deutlich verbesserte. Die beiden waren heiß, weil sie so lange nicht mehr gespielt haben. Da hat der Trainer ein glückliches Händchen bewiesen, lobte Ramelow.
Glück hatten auch die Hausherren, denn nach der überragenden ersten Halbzeit drohte ihnen am Ende noch die elfte Heimniederlage, mit der selbst der UI-Cup nicht mehr nur aus eigener Kraft zu schaffen gewesen wäre. Nach dem Wechsel haben wir das Gegenteil gemacht von dem, was wir uns eigentlich vorgenommen hatten, befand Torschütze Brdaric treffend. So war das letzte Heimspiel ein Spiegelbild für die Saison der Wölfe: im Herbst Top mit dem Traum vom Meistertitel, im Frühjahr Flop mit der Angst, das internationale Geschäft gänzlich zu verpassen.
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