Mainz - Timo Hildebrand hat Taten sprechen lassen und seiner Mannschaft zu einem Sieg in Mainz verholfen.
Der 25 Jahre alte Torwart des VfB Stuttgart zeigte sich weder von den Pfiffen der eigenen Fans noch von der öffentlichen Erwartungshaltung beeinflusst und avancierte neben Spielmacher Alexander Hleb zum Garanten des 3:2 (0:1)-Sieges bei Aufsteiger FSV Mainz 05. Und während sein Trainer Matthias Sammer den Keeper wortreich in Schutz sowie die verärgerten Anhänger in die Pflicht nahm, wollte Hildebrand zu den Schlagzeilen nach seinem angekündigten Abschied bei den Stuttgartern im Sommer keine Auskunft geben. Nachdem er auf seiner Homepage bereits um Verständnis und Geduld geworben hatte, meinte er nur: Ich habe damit gerechnet, dass die Fans mich auspfeifen werden.
Deutlicher wurde Sammer, der mit seinem Team den dritten Tabellenplatz drei Punkte hinter dem Führungsduo Bayern München und Schalke 04 festigte. Jeder Pfiff gegen Timo ist ein Pfiff gegen die Mannschaft, stellte der Coach klar, der dank eines Eigentors von Mainz-Keeper Dimo Wache (51.) sowie durch Hleb (54.) und Cacau (66.) den zehnten Saisonsieg bejubeln durfte. Doch statt Euphorie machte sich Sorge bei Sammer breit: Wir müssen aufpassen, dass hier ein Spieler nicht kaputt gemacht wird, der noch sehr wichtig für uns werden kann.
Rückendeckung bekam der teilweise als Abzocker titulierte Torwart nach dem Match von seinen Mitspielern, die ihn zuvor bereits innig umarmt hatten. Timo ist ein feiner Kerl, er wird bis zum Saisonende alles geben, sagte Heiko Gerber, der für den langzeitverletzten Nationalverteidiger Philipp Lahm in die Elf rückte. Silvio Meißner nährte sogar wieder die Hoffnung, dass Hildebrand eventuell doch über die laufende Saison hinaus weiter beim VfB spielt. Vielleicht wendet sich das Blatt ja wieder.
Das würde auch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff begrüßen. Am liebsten wäre uns, wenn er in Stuttgart bliebe, sagte er im ZDF-Sportstudio. Wichtig sei aber in erster Linie, das er gute Leistungen zeige. Und wir haben gesehen, dass er sich nicht beeindrucken lässt.
An den Mainzer Treffern durch Fabian Gerber (13.) und Sekunden vor Schluss durch den eingewechselten Christoph Teinert traf Hildebrand keine Schuld. Vielmehr waren seine Vorderleute in der ersten Hälfte mit der kompakten und variablen Spielweise der Mainzer überfordert. Wir haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Das war klasse, lobte FSV-Coach Jürgen Klopp, der mit seiner Mannschaft nach der vierten Niederlage nacheinander ins untere Tabellendrittel abgerutscht ist.
Dabei avancierte vor 20 300 Zuschauern im ausverkauften Bruchwegstadion ausgerechnet Hildebrands Pendant im Mainzer Tor zum großen Verlierer. Denn der sonst so zuverlässige Dimo Wache leitete nach der Pause ungewollt die Wende ein, als er sich vor der Mainzer Fan-Tribüne nach einer Hleb-Ecke den Ball selbst in den Kasten bugsierte. So ein Tor kriegen wir in 100 Jahren nicht mehr, meinte Coach Jürgen Klopp. Das war der viel zitierte Knackpunkt, gestand Unglücksrabe Wache.
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