Budapest/Stuttgart - Der Tritt gegen Kevin Kuranyi hat den VfB Stuttgart zwar hart, aber doch nicht so schlimm getroffen wie zunächst befürchtet. Der Fußball-Nationalstürmer zog sich im Erstrunden-Hinspiel des UEFA-Pokals bei Ujpest Budapest (3:1) nach einem brutalen Foul einen Syndesmosebandeinriss sowie eine Kapselverletzung im Sprunggelenk zu und fällt etwa vier Wochen aus.
Das teilte der VfB nach eingehenden Kernspin- und Computertomographie-Untersuchungen mit. Die Verletzung werde konservativ behandelt. Eine Operation sei nicht erforderlich, hieß es.
Der derzeit erfolgreichste deutsche Angreifer wird damit wohl auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann beim Länderspiel am 9. Oktober im Iran fehlen. Nach Sturmkollege Marco Streller (Reha nach Schien- und Wadenbeinbruch) und Verteidiger Fernando Meira (Kreuzbandanriss) fällt in Kuranyi ein weiterer VfB-Schlüsselspieler aus. Hingegen ist die Rückenverletzung von Torwart Timo Hildebrand wohl nicht so schwerwiegend. Sein Einsatz in der Bundesliga-Begegnung am Sonntag bei Hertha BSC Berlin entscheidet sich erst kurzfristig.
Es war ein hoher Preis, den wir zahlen mussten, sagte VfB- Vereinspräsident Erwin Staudt nach dem Erfolg in Budapest und konnte sich nur verhalten über die fast sicheren Einnahmen von bis zu fünf Millionen Euro in den vier Gruppenspielen freuen. In Rage war Trainer Matthias Sammer über das harte Einsteigen von Ujpests Abwehrspieler Gabor Nagy gegen Kuranyi. So kann man sich nicht präsentieren. Das ist unter aller Sau, sagte der 37-Jährige in der ersten Aufregung. Sachlicher, aber nicht weniger deutlich wurde Sammer, als es um die Ursache für die Nickligkeiten der Ungarn ging: Die haben das gespielt, was der Schiedsrichter zugelassen hat. Ich fand das mitleidig, kommentierte er die Leistungen von Pieter Vibk (Niederlande) und die der international zweitklassigen Budapester.
Dass Kuranyi über eine halbe Stunde auf den Abtransport ins Krankenhaus warten musste, weil kein zweiter Krankenwagen bereit stand, brachte Sammer schier zur Verzweiflung: Das ist eine Katastrophe. Imre Szabics, der bis 1999 für den Lokalrivalen Ferencvaros stürmte und deswegen bei seiner Einwechslung ausgepfiffen wurde, wetterte: So ein unfaires Spiel habe ich noch nie erlebt.
Wäre nicht der Wermutstropfen von Kuranyis Verletzung gewesen, das VfB-Spiel hätte einigen Grund zu Freude gegeben. Mit schnellem Spiel setzte der Bundesliga-Tabellenführer den 20-maligen ungarischen Meister von Beginn an unter Druck und führte zur Pause durch Cacau (25.) und Kuranyi (30.) mit 2:0. Als der VfB-Spielfluss auch durch die Kuranyi-Verletzung stockte, traf ausgerechnet Übeltäter Nagy per Kopf zum Anschlusstreffer (63.). Doch erneut Cacau (90.) sorgte für eine glänzende Ausgangsposition im Rückspiel am 30. September im Daimlerstadion.
Dass dann die Spannung wohl fehlen dürfte, macht Vereinspräsident Erwin Staudt nichts aus. Das ist mir lieber so, als bei einem 1:1 noch zwei Wochen zu zittern. Jetzt kann ich wieder ruhig schlafen, denn wir brauchen das Geld aus den Gruppenspielen.
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