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Bierhoff: Die Mannschaft ist zusammen gerückt | 2005-06-29


dpa: Jürgen Klinsmann gab vor einem Jahr bei Ihrem gemeinsamen Amtsantritt das Ziel aus, 2006 Weltmeister werden zu wollen. Jetzt ist Halbzeit. Hat der Confed-Cup Ihren Glauben an den Titel geschürt?

Bierhoff: Auf jeden Fall. Die Mannschaft ist wahnsinnig zusammen gerückt. Die Spieler glauben an das Projekt. Sie waren auch vorher optimistisch, aber der letzte Glaube war noch nicht da. Und wie die jungen Spieler wie Podolski, Schweinsteiger, Mertesacker und selbst ein Robert Huth, der richtig durchs Stahlbad gegangen ist, unter Druck nicht die Nerven verloren haben, ist einfach super. Bei einigen Spielen haben in schwierigen Momenten gerade die Jungen die Akzente gesetzt. Das macht mir Hoffnung.

dpa: Auch die Fans hat man überzeugt. Wie wichtig ist das?

Bierhoff: Die Stimmung in den Stadien war fantastisch. Wir möchten uns bei den Fans ausdrücklich bedanken. Sie haben alles gegeben. Das hat das Team gespürt und wahnsinnig gefreut.

dpa: Der geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger hat gesagt, dass er den nach der WM auslaufenden Vertrag mit Ihnen gerne verlängern würde. Ist es wichtig, das schon dieses Jahr zu klären?

Bierhoff: Es gibt keine Zeitnot. Aber der DFB tut gut daran, rechtzeitig zu planen. Wichtig ist zunächst nicht, ob Jürgen oder ich weitermachen, sondern ob man an der aufgebauten Struktur festhalten will. Wenn beides der Fall ist, wäre es schon gut, wenn man sich bis Ende des Jahres unterhält. Von Jürgen wird man wohl vor der WM keine Antwort kriegen. Mein Job ist generell unabhängig vom Trainer, aber ich will das nicht unter jedem Trainer machen.

dpa: Heißt das, Sie wollen wie ein Vereinsmanager mitentscheiden?

Bierhoff: Ja, das wäre schon eine Bedingung. Als Manager müssten mir diese Rechte zugesprochen werden. Denn wenn ich in gewissen Bereichen federführend bin, muss ich auch die Möglichkeit haben, das umzusetzen und die Person meiner Wahl auszusuchen.

Wäre eine frühzeitige Vertragsverlängerung mit Ihnen ein Signal, dass der DFB den eingeschlagenen Weg fortführen will? Bierhoff: Auf jeden Fall. Darüber muss sich der DFB Gedanken machen, bevor er sich mit mir zusammensetzt. Man muss wissen, ob man wieder etwas ganz anderes macht, wenn die WM nicht so gut läuft und Jürgen aufhört. Dementsprechend muss man den Trainer aussuchen und nicht den populistischen Weg gehen oder die einfachste Lösung suchen.

dpa: Sie möchten Kontinuität beim eingeschlagenen Weg. Wohin führt der?

Bierhoff: Meine Idee geht dahin, dass wir das Wissen der Top-Leute bei der Nationalmannschaft weiter geben in die Breite. Das müssen wir an die Trainerausbildung und an die Jugendarbeit geben. Das sind Dinge, die würden mich auch interessieren. Nach der WM kann man sich auch mal mit anderen Dingen befassen.

dpa:Das würde den diskutierten Sportdirektor-Posten fast integrieren in Ihre Manager-Tätigkeit.

Bierhoff: Sportdirektor ist übertrieben. Der Technische Direktor, so wie wir ihn gesehen haben, hat eigentlich nur mit der Jugendarbeit zu tun. Er steht über allen Jugendtrainern und sollte helfen, die Philosophie der A-Nationalmannschaft herunterzubrechen. Aber wir haben auch noch in Urs Siegenthaler einen Chefscout, Erich Rutemöller in der Trainerausbildung und Dieter Eilts bei der U 21. Wer bringt die alle zusammen? Das kann der Technische Direktor von seiner Beschreibung auch nicht. Das muss zusammengeführt werden.

Das würde den Aufgabenbereich des Managers stark erweitern. Wäre das zu schaffen? Bierhoff: Das kommt darauf an, in welchem Tempo wir weitergehen. Bis zur WM wird das schwer, aber danach - und darum geht es ja bei der Vertragsverlängerung - wird es sicher Freiräume geben. Ich denke, nach der WM kommt ein kurzes Durchschnaufen. Dann wird sich beim DFB auch einiges personell ändern.

dpa: Denken Sie bei einer Vertragsverlängerung in Turnier-Zyklen, also bis zur nächsten EM 2008 oder der WM 2010?

Bierhoff: Zwei Jahre mindestens, vier Jahre müssen es von meiner Seite aus nicht sein. Da, wo Leistung gefordert wird, bin ich kein Freund von langen Verträgen. Wenn man gut ist, erledigt sich das von allein. Der Vorteil von Jürgen und mir ist, dass wir keine Existenzängste haben und uns nicht an Posten klammern. Wenn wir das Gefühl haben, es bringt nichts, hören wir auf und sagen: Das wars.

dpa: Sie sagten, Sie würden Einfluss auf die Trainersuche nehmen wollen, wenn sie sich nach der WM stellen sollte. Hat sich Joachim Löw bereits so ein Profil erarbeitet, dass er in guter alter Tradition beim DFB vom Assistenten zum Chef aufsteigen könnte?

Bierhoff: Das könnte ich mir auf jeden Fall vorstellen. Ich glaube, der Confed-Cup hat geholfen, Joachim nach vorne zu bringen. Man sieht, dass bei dieser jungen Mannschaft 2006 noch nicht alles ausgereizt sein wird. Insofern wäre es am schönsten, wenn alle so zusammenbleiben würden. Wenn das bei Jürgen nicht hinhauen würde, wäre Joachim einer, der das weiter führen könnte.

Klaus Bergmann und Jens Mende, dpa


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