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BVB schöpft am Ende einer Horror-Saison neuen Mut | 2005-05-22


Dortmund - Die beste Rückrunde der Club-Geschichte hat Borussia Dortmund zwar nicht in den UEFA-Cup, aber zum Glauben an eine bessere Zukunft verholfen.

Am Ende einer denkwürdigen Saison mit zwischenzeitlicher Insolvenz- und Abstiegsgefahr sorgte das Team beim 2:1 (0:1) über Hansa Rostock für einen versöhnlichen Schlussakt. Der unverhoffte sportliche Höhenflug der vergangenen Wochen stimmte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zuversichtlich: Es war die schwierigste Zeit, die der BVB jemals durchlitten hat. Aber alle Beteiligten haben zurück zu hoher Identifikation mit diesem Verein gefunden.

Was vor einem Jahr noch als Strafe empfunden wurde, gilt nun als Belohnung. Als hätte sich das Team soeben für die Champions League qualifiziert, feierten Fans, Trainer und Spieler den Einzug in den UI-Cup. Derweil vergoss Michael Meier auf dem Rasen des Westfalenstadions bittere Tränen - nur getröstet vom scheidenden Torhüter Guillaume Warmuz.

Mit dem Abschied des langjährigen Managers im Sommer beginnt beim BVB endgültig eine neue Zeitrechnung. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass der wankende Branchenriese sich wieder erholt: Mit 37 Punkten stellt die Borussia nach Meister FC Bayern München die zweitbeste Mannschaft der Rückrunde. Auch wenn die letzten drei Siege über Bremen, Schalke und Rostock glücklich zu Stande kamen, wähnt Bert van Marwijk sein Team auf gutem Weg: Die Spieler sind mental stärker geworden. Diese Rückrunde war unglaublich.

Das Vertrauen des Trainers in den aktuellen Kader macht viele Dinge einfacher. Eine Blutauffrischung wäre aus finanziellen Gründen ohnehin nicht möglich gewesen. Die Einkaufspläne der Club-Führung sehen nur noch die Verpflichtung eines preiswerten Abwehrspielers und eines weiteren Ersatztorhüters vor. Auf den Verkauf von Stars ist der Club trotz eines Schuldenberges in Höhe von rund 90 Millionen Euro laut Watzke nicht zwingend angewiesen. Nur bei wirklich lukrativen Angeboten sei ein Transfer von Spielmacher Tomas Rosicky denkbar: Ich glaube nicht, dass wir ihn für 10 Millionen Euro abgeben würden.

Notgedrungen reift in Dortmund die Erkenntnis, dass auch ohne horrende Zahlungen Spitzenfußball möglich ist. Marc-Andre Kruska lieferte den Beweis: Mit seinem ersten Bundesliga-Tor brachte das erst 17 Jahre alte Eigengewächs sein Team nach der Rostocker Führung von Marco Vorbeck (15.) zurück ins Spiel. Jan Koller (67.) machte den erneut schmeichelhaften Erfolg der Borussia perfekt.

Die Partystimmung im Westfalenstadion stimmte Jörg Berger wehmütig. Dieser Tag hat wehgetan. Wenn man vor 80 000 spielt und dabei an die 2. Liga denken muss, ist das kein schönes Gefühl, sagte der Trainer des Absteigers. Die mangelnde Chancenauswertung brachte die Gäste um den Lohn passabler Arbeit. Für Berger ein Déja-vu-Erlebnis: Es war der gleiche Ablauf wie immer. Wir spielen gut, machen aber keine Tore. Wir wissen, warum wir abgestiegen sind.


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