Hamburg - Im deutschen Fußball-Skandal ist erstmals ein Bundesligaspiel unter Manipulationsverdacht geraten.
Nach übereinstimmenden Medienberichten hat der geständige Robert Hoyzer vor der Berliner Staatsanwaltschaft seinen Schiedsrichter-Kollegen Jürgen Jansen beschuldigt, das Punktspiel zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem SC Freiburg (3:0) am 27. November 2004 nicht korrekt geleitet zu haben.
In Stürmer Ranisav Jovanovic vom FSV Mainz 05 gestand zudem erstmals ein aktueller Erstligaspieler eine Verwicklung in die Affäre ein. Der 23 Jahre alte Profi aus Serbien und Montenegro bestätigte, während seiner Zeit bei Dynamo Dresden von einem Mann kontaktiert worden zu sein, der sich im Nachhinein als einer der mutmaßlichen Drahtzieher in der Affäre herausgestellt habe. Dieser habe ihn vor dem 3:2-Erfolg im Regionalligaspiel über Preußen Münster (18. Juni 2003) angesprochen, sich als Geschäftsmann ausgegeben und eine Siegprämie ausgelobt. Dynamo-Ersatztorhüter Ignac Kresic, im Gegensatz zu Jovanovic von Hoyzer belastet, bestätigte, dass die Mannschaft von einem unbekannten Dritten 15 000 Euro erhalten hatte.
Die Berliner Staatsanwaltschaft signalisierte dem DFB, dass der Verband Einsicht in die Ermittlungsakten erhalten werde. Dies sagte DFB-Justiziar Götz Eilers, Leiter der neu gegründeten Sonderkommission Wett- und Spielmanipulationen. Er gehe davon aus, dass dies noch in dieser Woche geschehen werde. Bisher habe man aber auch teilweise keine Akteneinsicht bekommen. Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger meinte, er sei glücklich darüber, dass die Staatsanwaltschaft zur Kooperation bereit ist. Nur so hätte der DFB die Chance zu wissen, wo wir stehen, wo und wann wir manipuliert worden sind und wo Unschuldige verdächtigt werden.
Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung und der Bild-Zeitung hat Hoyzer in seiner Vernehmung angegeben, er habe von einem Mitglied der mutmaßlichen Wett-Mafia Hinweise erhalten, dass Jansen beim 3:0-Sieg Kaiserslauterns gegen Freiburg für das richtige Resultat gesorgt haben soll. Demnach soll Jansen über einen Mittelsmann angeworben worden sein. Bei der Partie in Kaiserslautern fielen zwei umstrittene Tore für die Gastgeber. Beide Male soll Jansen, der in einer Eidesstattlichen Versicherung alle Manipulationsvorwürfe bestritt, zuvor angebliche Fouls von FCK-Stürmer Carsten Jancker nicht geahndet haben.
Bei dem Mittelsmann soll es sich um Wieland Ziller handeln. Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter bestritt eine Beteiligung am Skandal und hat nach eigenem Bekunden Strafantrag gegen Hoyzer gestellt. Beim 1. FC Kaiserslautern verweigerten die Offiziellen eine Kommentierung, beim SC Freiburg gab man sich zurückhaltend. Ich kann mich erinnern, dass in dem Spiel zwei umstrittene Entscheidungen zu Gegentoren für uns geführt haben. Wir sollten uns mit direkten Äußerungen aber noch bedeckt halten, sagte Trainer Volker Finke.
Von den 13 Personen, die Hoyzer vor der Berliner Staatsanwaltschaft angeblich belastet hat, haben bis auf Kresic und Paderborns Kapitän Thijs Waterink fast alle eine Verwicklung in den Skandal meistens mit Eidesstattlichen Versicherungen zurückgewiesen. Diese Erklärungen seien aber juristischer Unfug, sagte Paul-Werner Beckmann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Sportrecht im Deutschen Anwaltsverein. Wer eine falsche Versicherung abgibt, macht sich strafbar, aber nur, wenn er sich in einem dafür vorgesehenen Gerichtsverfahren vor der zuständigen Stelle äußert. Die jetzt abgegebenen Erklärungen hätten daher eher symbolischen Wert.
In der Zentrale des Deutschen Fußball-Bund nahm die Sonderkommission ihre Arbeit auf. Ich bleibe optimistisch, dass wir sehr schnell beweiskräftige Informationen vorlegen können, sagte Zwanziger. Der 59-Jährige wies zudem Vorwürfe, der Verband würde den Skandal nicht konsequent und zügig genug aufarbeiten, entschieden zurück. Zudem prüft der DFB laut Zwanziger rechtliche Schritte gegen Medien, die ihm und Gerhard Mayer-Vorfelder vorgeworfen haben, sie hätten die frühzeitigen Hinweise des Wettanbieters Oddset auf Unregelmäßigkeiten geleugnet oder verschleiern wollen.
Die Berliner Staatsanwaltschaft hat laut Spiegel online die Veröffentlichung der Namen von Verdächtigen im Betrugs-Fall um Schiedsrichter Robert Hoyzer scharf kritisiert. Vorzeitig aus den Ermittlungsakten veröffentlichte Informationen sind für uns sehr schädlich, besonders wenn es sich um die Nennung von Verdächtigen handelt, sagte der Berliner Generalstaatsanwalt Dieter Neumann.
Neumann bezog sich damit auf eine Liste von Spielern und Referees, die an der Manipulation von Spielen mitgewirkt haben sollen. Die Namen, die Hoyzer angeblich bei seiner Vernehmung durch die Justiz ausgesagt haben soll, waren von der Bild-Zeitung veröffentlicht worden. Neumann fügte hinzu, dass die Veröffentlichungen der Arbeit der Fahnder im Weg stehen. Der Generalstaatsanwalt betonte, dass er nicht von einem Leck in seiner Behörde ausgehe.
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