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Rückschlag für Kahn - Lehmann gegen Argentinien | 2005-02-09


Düsseldorf - Den Start ins Länderspiel-Jahr 2005 hatte sich Oliver Kahn ganz anders vorgestellt. Nicht ihn hat der einstige Mitspieler und jetzige Bundestrainer Jürgen Klinsmann zum Länderspiel-Hit gegen Argentinien zwischen die Pfosten beordert, sondern Jens Lehmann.

Der 35-jährige Münchner reagierte nach außen unaufgeregt auf seinen Bankplatz in der Düsseldorfer LTUarena: Es gibt Absprachen. Doch wer den ehrgeizigen Sportsmann Kahn seit Jahren eng begleitet, der weiß, wie es in ihm brodelt. Schon beim Start in die Bundesliga-Rückrunde hatte er das Jahr 2005 als ein entscheidendes für mich bezeichnet.

Wenn es überhaupt noch eines Beweises dafür bedurfte, dass Klinsmann die Torwartfrage für die WM 2006 tatsächlich völlig offen hält, dann wurde dieser mit der Entscheidung für das Spiel gegen Argentinien erbracht. Nach den Leistungen in jüngster Vergangenheit hätte gegen die Gauchos eher Kahn die Berufung verdient gehabt als sein Kontrahent. Denn während er beim FC Bayern in der Bundesliga sein Tor in diesem Jahr bisher sauber hielt, saß der gleichaltrige Lehmann beim FC Arsenal meist nur auf der Bank. Erst am vergangenen Spieltag kehrte er nach zehn Pflichtspielen als Reservist in der Premier League wieder zwischen die Pfosten zurück.

Gerade jetzt, wo Oliver Kahn wieder auf dem Weg ist, der Alte zu werden, in der Rückrunde absolut fehlerfrei hält - und Jens Lehmann in London länger nicht gespielt hat, sei die Entscheidung von Klinsmann für viele überraschend, übermittelte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer in seiner Bild-Kolumne. Doch der Bundestrainer bleibt völlig unbeeindruckt vom Lobbyismus des deutschen Rekordmeisters, was er schon bei der Verabschiedung von Kahn-Intimus Sepp Maier als Torwart-Bundestrainer bewiesen hatte.

Vor der Partie in Düsseldorf hatten sowohl Bayern-Manager Uli Hoeneß wie auch Trainer Felix Magath aus München vehement ihren Schützling unterstützt. Er könne es überhaupt nicht verstehen, wie man davon reden könne, dass Oliver Kahn nationale Konkurrenz habe, erklärte Chefcoach Magath. Weit und breit sei eine solche nicht in Sicht. Und für Hoeneß ist die Frage nach der Nummer eins ohnehin keine Frage: Wenn der Oliver so weiter hält wie in den letzten Wochen, dann gibt es gar keine Diskussion. Auch nicht für die WM, da gibt es keinen Besseren auf der Welt.

Klinsmann nahm die Worte aus München zwar wahr, betonte jedoch, die Rotation gehe ganz normal weiter: Sport ist vom Leistungsgedanken geprägt, von Konkurrenzkampf und Respekt. Für Kahn hat er nach der Bankrolle gegen Argentinien das weit weniger attraktive Auswärtsspiel am 26. März in Slowenien reserviert. Zugleich lobte der Bundestrainer aber mehrfach die positive Persönlichkeits-Entwicklung bei Kahn: Er hat sich geöffnet. Auf der Asien-Reise am Ende des Vorjahres hatte der Münchner Keeper bei der sportlichen Leitung der DFB-Elf auch durch sein Auftreten außerhalb des Platzes Sympathiepunkte gesammelt.

Ich habe erkannt, dass ich mich nicht so stark zurückziehen kann, berichtete Kahn danach und bereitete sich mit vielen Läufen sowie Kraftraum-Besuchen auf die Bewährungen 2005 vor. Er wolle wieder anknüpfen an jene Leistungen, die man von mir erwartet und die ich von mir erwarte, hatte der Torwart am Jahresanfang sein persönliches Ziel formuliert. 2004 war nicht Kahns Jahr, mit Bayern blieb er ohne Titel, persönliche Patzer schufen Angriffsfläche - und in der Nationalelf begann die für ihn völlig ungewohnte Rotation.

Nur dreieinhalb der acht Spiele unter Klinsmann (mit Argentinien) durfte Kahn bisher bestreiten, Lehmann kann auf die gleiche Anzahl verweisen. Vor Jürgens Amtszeit bin ich nur sporadisch zum Einsatz gekommen, betonte Lehmann die neuen Verhältnisse. Bei Klinsmann-Vorgänger Rudi Völler war der Wahl-Engländer nur zum Zuge gekommen, wenn Kahn verletzt war oder sich auf eigenen Wunsch eine Pause genommen hatte.

Beckenbauer rät dem Bayern-Torhüter, auch nach dem jetzigen Rückschlag die Ruhe zu bewahren. Oliver Kahn hätte zwar bestimmt gerne gegen Argentinien gespielt. Aber er kann es sich erlauben, großzügig zu sein. Weil er weiß, dass er der Beste ist, meinte der Kaiser. Entscheiden aber wird das Klinsmann.


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