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Gespräch mit Joseph S. Blatter: Warnschuss | 2005-02-13


Neu-Isenburg - FIFA-Präsident Joseph S. Blatter nimmt - in einem Gespräch im Rahmen eines Workshops für die potenzielle WM-Schiedsrichter in Neu-Isenburg - Stellung zum Fall Hoyzer, einem Wettverbot und dem viel diskutierten Videobeweis.

Noch sind die wahren Ausmaße des Manipulationsskandals im deutschen Fußball nicht bekannt. Ist es auch - angesichts der FIFA-WM im kommenden Jahr in Deutschland - ein Problem des Weltverbandes?

Blatter: Es ist die Angelegenheit das nationalen Verbandes und zugleich ein Warnschuss für den internationalen Fußball. Ich glaube nicht, dass es nur ein nationales Problem ist, wenn eine Bestechungsaffäre mit einem Schiedsrichter auffliegt. Die FIFA ist gefordert - wir müssen uns äußern.

Wie reagiert die FIFA denn konkret auf diesen Fall?

Blatter: Man kann viele Kommissionen bilden, aber was folgen muss sind Taten. Auf der Sitzung des Exekutivkomitees am 7. und 8. März in Zürich werden wir uns nicht nur am Rande damit beschäftigen, sondern als einen der wichtigsten Punkte.

In welchem Kontakt stehen Sie mit dem Deutschen Fußball-Bund?

Blatter: Ich bin informiert über den Stand der Dinge und ich vertraue dem DFB in der Art und Weise, wie er die Aufarbeitung dieses Falles angeht. Wir haben keinen Bedarf einzugreifen. Wir haben dem DFB aber erneut unsere Hilfestellung angeboten.

Wie sehr leidet das Ansehen Deutschlands?

Blatter: Es gibt einen Imageschaden, wenn so etwas passiert. Es ist aber immer wieder möglich, dass man ein schwarzes Schaf findet. Wir sind alles sündige Menschen.

Es könnte aber sogar sein, dass sich der Wett- und Betrugsskandal nicht nur auf Deutschland begrenzt...

Blatter: Fußball ist ein Spiel. Und in einem Spiel versucht doch jeder ein bisschen zu mogeln. In der Bibel steht: Wer unschuldig ist und keine Fehler hat, der werfe den ersten Stein.

Kann denn ein Wettverbot solchen Betrügereien vorbeugen?

Blatter: Ein grundsätzliches Wettverbot kann man nicht machen. Nicht für Trainer, Spieler oder Schiedsrichter. Man kann den Fußball nicht an die Kandare nehmen. Man muss vielmehr schauen, dass man bei den Wettorganisationen ein Kontrollsystem installiert, das Auffälligkeiten direkt anzeigt.

Nun ist in Deutschland mit Oddset ausgerechnet einer der sechs nationalen WM-Sponsoren mit in diese Angelegenheit verwickelt ...

Blatter: Oddset ist eine öffentlich-rechtliche Organisation. Sie muss ihr Geschäft machen, aber nicht gegen den Fußball.

Im Zuge des Wett- und Manipulationsskandals wurden auch wieder Rufe nach einem Videobeweis laut. Wie steht die FIFA dazu?

Blatter: Solange ich in der FIFA bin und etwas zu sagen habe, bin ich gegen den Videobeweis. Fußball ist ein Spiel mit einem menschlichen Gesicht und würde mit einem Videobeweis einen großen Teil seiner Faszination verlieren.

Von Jens Marx, dpa


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