Neu-Isenburg - Ganz im Schatten des deutschen Schiedsrichter-Skandals ging ein fünftägiger Workshop von 46 Referee-Kandidaten aus allen Kontinenten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu Ende.
Der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses des Weltverbandes FIFA, Angel Maria Villar Llona, brach in Neu-Isenburg eine Lanze für die durch den Fall Hoyzer ins Zwielicht geratenen deutschen Referees.
Man darf jetzt keine Sippenhaft anwenden und die deutschen Schiedsrichter wegen eines Falls pauschal verurteilen. Ich bin sicher, dass der Deutsche Fußball-Bund mit seinem Schiedsrichter-Ausschuss und der deutschen Justiz hundertprozentig zusammenarbeitet. Der Fall darf nicht zum Hindernis beim Gelingen der Weltmeisterschaft in diesem schönen Fußballland Deutschland werden, sagte Llona, der auch FIFA-Vize-Präsident und Präsident des spanischen Verbandes ist.
Erschüttert vom Ausmaß der Manipulations-Affäre zeigte sich FIFA-Schiedsrichter Markus Merk, neben Herbert Fandel (Kyllburg) einer von zwei deutschen WM-Kandidaten. In unserem bisher heilen Haus sind nicht das Dach oder die Fenster, sondern das Fundament stark beschädigt worden. Unsere Verantwortung hat jetzt eine ganz andere Dimension erreicht. Wir Schiedsrichter als Kämpfernaturen werden uns ihr stellen, sagte der Kaiserslauterner. Merk empfahl, den Blick nach vorn zu richten und darum zu kämpfen, dass der Fußball glaubwürdig bleibt. Fandel meinte: Das Ganze ist nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Der Druck ist jetzt immens. Aber ich werde jedes Spiel genauso angehen wie bisher. Gegen Fehler bin ich allerdings auch nicht gefeit.
Dem Ruf nach einem Oberschiedsrichter mit Video-Beweis oder Chip im Ball stehen Merk und Fandel skeptisch gegenüber. Wir sträuben uns nicht grundsätzlich gegen neue Technologien. Aber der Fußball lebt nun mal von seiner Dynamik, der Abfolge von Situationen und wenigen Unterbrechungen, meinte Merk, der solche Forderungen populistisch nannte. Auch sein schwedischer Kollege Anders Frisk lehnt den Oberschiedsrichter ab. Den deutschen Schiri-Skandal nannte er sehr bedauerlich, weil sich gerade die deutschen Schiedsrichter in den letzten Jahren international einen hervorragenden Ruf erarbeitet haben.
Beim erstmals in dieser Form ausgerichteten FIFA-Workshop unterzogen sich die WM-Kandidaten Überprüfungen in taktischer, technischer, psychischer, physischer und medizinischer Hinsicht. Den Sehtest haben alle hundertprozentig bestanden, berichtete Merk. Bei vier Großereignissen im Jahre 2005 werden die 46 Anwärter auf Herz und Nieren geprüft: Bei der Junioren-WM in den Niederlanden, dem Confederations-Cup in Deutschland, der U17-WM in Peru und der FIFA-Club-WM Ende des Jahres in Japan. Im Februar 2006 soll der endgültige WM-Kader nominiert werden, wobei die Anzahl noch offen ist. Bei der Zusammenstellung der Schiedsrichter-Gespanne wird darauf geachtet, dass sie im Sinne einer einheitlichen Regelauslegung zumindest aus dem selben Kontinent, wünschenswerter Weise sogar aus einem Land kommen.
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