Nürnberg - Freistoß, Tor - mit einer simplen Formel und wenig Aufwand hat Fußballlehrer Klaus Augenthaler seinem ehemaligen Arbeitgeber schmerzhaften Nachhilfeunterricht erteilt und seiner eigenen Mannschaft unverhofft neue Perspektiven eröffnet.
Zum Glück haben wir sehr viel Standards trainiert, sagte der Trainer von Bayer Leverkusen nach dem 4:2 (2:1) beim 1. FC Nürnberg. Die vier nach Freistößen erzielten Tore weckten bei Bayer wieder Titelträume. Der Meisterschaftszug ist noch nicht abgefahren, erklärte Augenthaler, und Sportdirektor Rudi Völler blies zum Angriff: Wir wollen in der Liga oben dran bleiben.
Auch Dimitar Berbatow, der nach drei Minuten und Freistoß von Robson Ponte die Werkself in Führung köpfte, und nach 62 Minuten mit einer Kopie des Führungstreffers und seinem elften Saisontor das vorentscheidende 3:2 markierte, hält mehr als den UEFA-Cup für möglich. Es sind noch einige Spiele in der Bundesliga, da kann noch viel passieren, sagte der Bulgare. Jacek Krzynowek besiegelte mit einem Hammer-Freistoß (79.) Nürnbergs dritte Heimniederlage in Serie.
Carsten Ramelow, der ebenfalls nach Ponte-Freistoß in der 33. Minute Bayer mit 2:1 in Front brachte, ließ sich von dem scheinbar mühelosen Sieg nicht blenden. Ohne die Standards hätten wir ganz alt ausgesehen. Gegen Liverpool müssen wir uns steigern, meinte der Ex- Nationalspieler. In der Abwehr lieferte man ohne die Brasilianer Juan und Roque Junior eine Leistung ab, die für das Duell mit Englands Rekordmeister nichts Gutes verheißt.
In Liverpool müssen wir uns anders präsentieren forderte Augenthaler nach seinem 50. Sieg als Bundesliga-Trainer und dachte bei aller Begeisterung für die sehr offensiv geführte Partie (Das Spiel hatte Eishockey-Charakter und hätte auch 8:5 ausgehen können) mit Unbehagen an die schwache Defensivvorstellung. Damit haben wir Nürnberg eingeladen, uns immer wieder in Bedrängnis zu bringen, meinte der frühere Club-Trainer. Die Saisontreffer 16 und 17 von Torjäger Marek Mintal (30./55.) reichten nicht, um die Negativserie des seit dem 6. November 2004 (4:0 gegen Wolfsburg) zu Hause sieglosen Club zu beenden.
Dessen Trainer Wolfgang Wolf fand mit seiner Einschätzung, die bessere Mannschaft habe verloren, nicht unbedingt Zustimmung, umso mehr aber mit der ernüchternden Feststellung, dass seine Mannschaft in entscheidenden Zweikämpfen zu zahm war und bei den Gegentoren geschlafen habe: Alle vier waren hergeschenkt. Da haben wir versagt. Abwehrchef Mario Cantaluppi verschonte seine schlafmützigen Nebenleute Bartosz Bosacki und Sven Müller nicht mit Kritik: Es ist eine Frechheit, durch vier Standards zu verlieren. Einfach Scheiße.
Bei aller Verbitterung über so viel Fahrlässigkeit und nur noch fünf Zählern Abstand auf einen Abstiegsplatz ist dem Club der Optimismus nicht abhanden gekommen. Präsident Michael A. Roth: Ich glaube auf keinen Fall, dass wir absteigen. Wenn die Mannschaft so wie heute spielt, gewinnt sie auch mal wieder.
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